Szenen aus der Heimat I [Medienbio #11]

Wo ich hier sitze und dem Gewitter lausche, schreibe ich über ein Sehnsuchtsthema. Die Heimat. Ein Kampfbegriff. Bis heute weiß ich nicht, ob ich sie gefunden habe.

Als ich klein war, gab es einen Reisepass von mir. Ich habe angeblich in ihn hineingekritzelt und verursachte damit einen Riesenärger am Flughafen. Angeblich konnten wir so beinahe nicht nach Deutschland zurückfliegen.

Meiner Mutter wäre es gelegen gewesen. Doch unser aller Leben fand mittlerweile in Deutschland statt. In ihrer Heimat streng genommen. Sie wollte nicht zurück. Mein Vater wollte es. Ihr Land, die DDR, existierte nicht mehr. Da sie anders war, fühlte sie sich auch in der DDR fremd. Oft genug hat sie die Veranstaltungen der FDJ geschwänzt und früh angefangen, diverse Fremdsprachen zu lernen.Weiterlesen »

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Meine Guilty Pleasures… [Medienbio #10]

Eigentlich sollte der 10. Teil vom Kinderfernsehen handeln. Der stein des Anstoßes für diesen Beitrag ist „RuPaul’s Drag Race: All Stars 3„, worauf ich später eingehe. Guilty Pleasures, Lieblinge, für die man sich schämt. Hier also meine Liste.

Fernsehen, Fernsehen, Fernsehen… sonst nix

Meine Mutter gab sich Mühe, mir den Unterschied zwischen Bildung und mangelnder Bildung (nett verharmlost) deutlich zu machen. Arbeitsbedingt hatte sie wenig Zeit für mich. Bis zur fünften Klasse ging ich in den Kitahort. Danach höchstens einmal die Woche zur AG. Was war das Ergebnis? Ich saß vor dem Fernseher und das nicht zu knapp. Nebenbei machte ich Hausaufgaben und aß meinen Mikrowellen-Fertigfraß.

MTV Room Raiders„MTV Room Raiders“: Drei Kandidaten sitzen im Van fest. Auf dem Monitor beobachten sie, wie eine Frau ihr unaufgräumtes Zimmer durchforstet. | © mtv.de

Damals gab es in Deutschland Musikfernsehen. Unter dem Logo von MTV stand „Music“ und VIVA war der Konkurrent aus Deutschland. Kurz gehalten war ich ein Musikfernsehjunkie. Dennoch schaute ich zu gern die Shows, die rein gar nichts mit Musik zu tun hatten. Es waren Datingsendungen („Dismissed„, „Next„, „Room Raiders„) oder anderer Kram. Das meiste wurde für wesentlich ältere und promiske Leute produziert. Auf RTL II lief „The Dome„. Eine Sendung wie „Top of the Pops“ und „Formel 1„, aber im Zeichen der 90er und 00er Jahre. Die Musik der Zeit war eben aus den Charts und die Moderatoren aufgedreht, vor allem Daisy Dee. Als ich mit Mitschülern zusammensaß und wir die Sendung sahen, tat ich so als würde ich die Hälfte davon nicht kennen. So peinlich war mir das!Weiterlesen »

Wie ich mit Sensationslust und Skandalen lebe… [Medienbio #9]

Der Zeichner einer meiner Lieblingsmanga stand vor einigen Tagen wegen Kinderpornographie in den Meldungen. Mein Gedanke war: „Das war’s! Wenn das in Japan jetzt auch anfängt, dann war’s das!„. In der Zeit, wo in Hollywood fleißig Namen im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen und Belästigungen genannt werden, war der Name Nobuhiro Watsuki so ungewohnt. All die Skandale um Lügen, Sex und Macht sind schwierig für das eigene Gewissen.

 

Nachrichten über Idole und die Großen

Die „Sensation“ bekam ich in den Nachrichten mit. Eine negative Form von Sensation. Wer erinnert sich an Michael Jackson und seine immerhin zwei Prozesse wegen dem Verdacht auf Kindesmissbrauch? Ich war damals selbst ein Kind, als er zum ersten Mal angeklagt wurde. Wie viele bin ich mit ihm aufgewachsen und konnte es zunächst nicht glauben. Es war das erste Mal, dass mich ein Sensationsskandal mitgenommen hat. Auch beim zweiten Prozess wollte ich das Urteil abwarten. Das riesige Aufgebot des Jackson-Klans fand ich auch immer abschreckend und nicht glaubwürdig. Da waren aber auch die  Gegenargumente von der schweren Kindheit, der Geldgier der Familien und den wohltätigen Absichten von Michael. Das Bild, was ich sah, war ein fragiler kränklicher Mann, der verwirrt gewesen sein muss. Nach dem Freispruch blieb für mich alles gleich.Weiterlesen »