Manga-Box (1): Was ist Manga?

Manga Box (1): Was ist Manga?

Manga-Box // Was ist Manga?

B1: Was ist Manga?
Manga (Pl. Manga / Mangas) ist die japanische Variante des westlichen Comics, also des sequentiellen Geschichten Erzählens mit Bildern und Texten. Es hat ebenfalls Ähnlichkeiten zur Graphic Novel und dem klassischen Cartoon.

Das Zeichen 漫 画 ist die japanische Schreibweise für Manga. Die erste Silbe /man/ (漫) bezeichnet eine Eigenschaft. Übersetzt wird es in diesem Kontext bevorzugt mit „zwanglos“, „spontan“ oder „ungezügelt“. Das zweite Zeichen /ga/ (画) bedeutet „Bild“ oder „zeichnen“. In diesem Zusammenhang kann man Manga als ein ‚ins Leere‘ oder ‚in eine Vorstellung‘ zeichnen verstehen. Es gibt Übersetzungen, in denen „Manga“ mit „alberne Bilder“ eine ähnliche Bedeutung bekommt wie „Comic“ (komisch, lustig).

MitAnime (Pl. Anime / Animes) ist lediglich ein Animationsfilm gemeint. Ein Anime ist eine mögliche Darstellungsform von vielen. Die Bezeichnung ist aus dem Englischen (engl. animation, jap. animeshon) abgeleitet. In den 70ern hießen Animes noch „Mangafilme“ (manga eiga).

B2. Warum sagt man nicht „Comic“?
Trotz der großen Ähnlichkeit verwendet man statt „Manga“ selten „Comic“ oder sogar „Cartoon“. Manga ist eine Abwandlung mit feinen Unterschieden. Dabei reicht der Hinweis auf das Herkunftsland des Stils, hier Japan. Stilistisch unterscheidet sich der Manga jedoch tatsächlich noch in anderer Form vom Comic:

    Er wird in schwarz-weiß gedruckt, i.d.R. auf Altpapier, während Comics oft farbig sind
    Man liest aus westlicher Sicht von hinten nach vorne, der Zeichner muss die Seite demnach anders abfolgen lassen als im Comic
    Der Stil zeichnet sich mehrheitlich durch vereinfachte, verniedlichte Figuren aus, während Objekte und Hintergründe realistisch und detailgenau dargestellt werden
    Vieles der Symbolsprache kommt so in westlichen Comics kaum vor
    Textumfänge und Seitengestaltung können ebenfalls stark abweichen, Manga brauchen normalerweise wenig Text und sind dadurch schnell lesbar

Nach ähnlichen Kriterien unterscheidet man auch zwischen Comics, die stilistisch enger mit dem Manga verwandt sind als westliche Comics. Bekannte Beispiele sind Manhwa (만화) aus Korea und Manhua (漫畫 / 漫画) aus China und Taiwan. Die Bezeichnungen sind ähnlich, die Stile häufig verschieden.

Umgedreht existiert auf Japanisch der Begriff komikku (Comic). Dieser bezog sich jahrelang auf einen westlichen Zeichenstil und Aufbau. Es schloss die japanische Machart des Manga quasi aus.

B3. In welcher Form erhält man Manga?
Es gibt folgende Möglichkeiten, eine Geschichte auf Basis eines Mangas zu erzählen:

nur Text / nur Bild Bild und Text Bewegtbilder
Hörspiel, Novelle, Fan Fiction, SMS-Novelle, Bildmanga 4 Panel-Seite (yonkama, Comic-Strip), Manga-Taschenbuch (tankobon), Graphic Novel, Manga-Magazin (pro Ausgabe gibt es Kapitel aus verschiedenen Serien), dünnere Manga o.ä. (z.B. dojinshi, Werk von Amateuren), E-Manga (z.B. im Internet, SMS) Manga als Daumenkino (para para manga), Zeichentrick (Anime), Realverfilmung (z.B. dorama, eine Dramaserie), auch Videospiele

Der Prototyp des Manga ist das Taschenbuch (jap. tankobon). Es gibt ein farbiges Cover (1). Ein Band umfasst im deutschsprachigen Raum etwa 300 Seiten (2). Eine Mangaserie besteht normalerweise aus mehreren Bänden (3). Das Papier im Inneren ist schwaz-weißes Altpapier (4). Man beginnt beim Lesen einer Seite jeweils rechts oben. Dabei liest man die Seiten aus westlicher Sicht vom Buchende zum Buchanfang. Nach der Geschichte findet der Leser häufig kurze Anekdoten des Autoren/ Zeichners und manchmal Infotexte mit Erklärungen zu japanischen Traditionen oder Objekten, die im Manga vorkamen. (Bilder zu „Love Hina“ von Ken Akamatsu)

Cover 1 Detailansicht der Bände 2 Bände Manga Stapel 3  Innenseite 4

B4. Die Elemente der Manga-Kultur
kreiseDie Mangaszene umfasst vieles. Man kann ihr im Alltag auf unterschiedliche Weise begegnen, ohne sich mit einem Manga selbst auseinander setzen zu müssen. Ich teile die Kultur in drei verschiedene „Kreise“ ein: Fundamente, erweiterte Kultur, offene Kultur. Allein auf das Medium Manga bezogen ist lediglich der erste Kreis.

1. Kreis // Zu den Fundamenten der Kultur gehören nur drei Punkte:

    Sich mit dem Produkt auseinandersetzen: Manga lesen, sammeln, tauschen, verkaufen
    Hintergrundwissen sammeln: über Infotexte in Manga oder Magazinen, japanische Begriffe der Mangasprache lernen (z.B. Namenssuffixe wie -chan, -san, -sama)
    Eine eigene Vorliebe entwickeln anhand von Genres, Autoren, Zeichenstilen

2. Kreis // Die erweiterte Kultur schließt dann mit ein:

    Geschichten erfinden: zeichnen oder schreiben (bei Wettbewerben, als Dojinshi oder Fan Fiction, in Internetforen, …), Theaterstücke oder Musicals aufführen
    Kreatives Basteln: herstellen von Plushies, Kostümen, Modell-Kits, Kakao Karten
    Merchandise erwerben: kaufen von Artbooks, Figuren, Karten, Anhängern, Buttons
    Sich mit Animes auseinandersetzen: DVDs kaufen, schauen, tauschen, verkaufen
    Manga oder Anime für andere verfügbar machen (i.d.R. unter Verletzung des Urheber- und Nutzungsrechts): Raubkopien, Filmuntertitel bereit stellen, Synchronisieren in anderer Sprache, Bilderdatenbank
    Manga in den Medien verfolgen oder mitgestalten: auf Newsseiten, in Internetforen, über Verlagsnewsletter, Anime-Radio, Podcasts, Blogs

3. Kreis // In der offenen Kultur treffen Fans und andere Konsumenten aufeinander:

    Besuchen von Events oder Locations: Manga-Convention, Comic-Convention, Fantasy-Festival, Mitgliedertreffen, Maid Cafés
    Cosplayen: Nähen oder Kaufen von Kostümen, entweder direkt aus einem Manga oder zu einem Archetyp (z.B. Schulmädchen, Katzenwesen)
    Andere Medien konsumieren (s.B3)
    Sich mit Japan beschäftigen bzw. eine Japanophilie entwickeln: japanisch lernen, kochen, nach Japan fliegen
    Spezielle Musik hören oder Musikvideos schauen: miku miku dance (MMD), Anime Music Video (AMV), Nightcore, J-Pop/Rock, Vocaloid
    Sich mit anderen populären Dingen beschäftigen: Idols, 4Chan/ 2ch, Popkultur aus Korea und Taiwan (z.B. Musik, Manhwas/ Manhuas), Hello Kitty, diversen Geek Interessen nachgehen (v.a. Interessantes für Otakus)

Empfehlungen:

Seite „Manga“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 15. Dezember 2013. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Manga&oldid=125462686

Ga-netchû! Das Manga-Anime-Syndrom. Deutsches Filminstitut, DIF/ Deutsches Filmmuseum Frankfurt am Main, Museum für Angewandte Kunst Frankfurt am Main. Henschel Verlag, 2008

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2 Gedanken zu “Manga-Box (1): Was ist Manga?

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