Welchen Manga/ Anime würdet ihr produzieren?

Wenn ich groß bin, mache ich meinen eigenen Manga!

Na, kommt euch das bekannt vor?

Eine Freundin recherchierte Mythen, die sie als Autorin bearbeitet und ihre Kumpeline als Zeichnerin. Eine Klassenkameradin war eine so gute Zeichnerin, dass sie ein Doppelstudium anfing, um später vielleicht in die Animation zu gehen. Bei mir lief es auch nicht schlecht: einen Platz im Wettbewerb gewonnen, gute Kritiken online, im Workshop einer Nachwuchsförderung und ich konnte damals – als ich noch eingeübt war – Gesichter mit einem Handschwung zeichnen. Dann kam das Studium. Dort gab es zwei, drei klassische Künstler und sie mochten Comics nicht. Auf Empfehlung gab es Aktzeichnen auf dem Format A0 und Kunstgeschichte.

Jeher kämpfe ich mich durch die Motivationslosigkeit. Mein Zeichenstil verändert sich ständig, weil ich ungeübt bin. Blockaden kriege ich, was früher bei mir undenkbar war! Neulich sprach ein Kumpel über einen Anime, den er entdeckt hatte. Er liebt ihn, denn es seien „seine“ Themen. Da frage ich mich, was „meine“ Themen wären.

Wie würden eure Manga oder Animes aussehen? Was macht diese Geschichten aus?

Angenommen, die Kinder heutzutage wären fleißige und treue Leser oder Zuschauer. Meine Themen würden vermutlich nicht zu meinen Lieblingsgenres passen. Ich mag Comedy, Mystery und Thriller. Bei den Themen lande ich vermutlich viel bei der frühen Kindheit und Familienleben. Meist sind Kindergeschichten nicht der Burner. Es geht manchmal Richtung Slice of Life oder Drama. Mich hat aber schon immer die Entwicklung von Persönlichkeiten interessiert und wie Leute von Situationen geprägt werden. Stichwort „Monster“ von Naoki Urasawa.

Obwohl ich Romantik langweilig finde, kommt in meinen Ideen oft eine Romanze zwischen Jungs vor. In der Schulzeit waren Boys Love und Yaoi ein alltägliches Bild. Wahrscheinlich würde ich in meinen Geschichten überall schwule Paare hineinstopfen. Tatsächlich stammt das aus der Zeit, wo Homosexualität kaum sichtbar war. Mir gingen Heteropaare auf den Geist und als kleines Kind habe ich Homophobie nie kapiert. Schwule waren eine Abwechslung und die meisten waren mir durch positive Stereotypen sympathisch. Heute sehe ich fast nur Geschichten und Werbung mit LGBT+-Motiven. Heute fühle ich mich komisch, wenn meine Charaktere schwul wären. Es würde sich wie ein kommerzielles Anbiedern anfühlen. Die Standards sind heute zumindest im Westen angestiegen: Gehörst du nicht zur Gruppe, musst du erklären, warum du jemanden aus einer Minderheit in deine Geschichte nimmst. Das hat Tumblr gesagt.

Außerdem finde ich, dass viele Charaktere im Manga gleich aussehen. Es gibt wenige nicht-japanische Figuren, was absolut Sinn macht. Wenn sie exotisch sind, haben sie in der Regel blonde Haare und blaue Augen oder sind Aliens. Mein Ansatz war immer etwas mehr an der Realität. Ich hatte in einem Entwurf eine Liebesgeschichte – da haben wir es wieder – zwischen einem türkischen Mädchen und einem deutschen Jungen, der mit der Naziszene Kontakt hat. Damals überlegte ich, ob eine große Nase für eine Türkin passt. Das gleiche bei der Frage, wie ich ostasiatische Menschen zeichnen würde. Es wäre zum Beispiel cool, japanische Charaktere zu zeichnen. Für eine Geschichte habe ich das gemacht, aber schon beim Namen fängt der Schweiß zu fließen an. Wenn das Setting in Berlin wäre, würde natürlich viel an Internationalität vorkommen. Ich hätte auch gerne eine schwarze Protagonistin, die ihre Haare natürlich trägt und nicht in Hip Hop-Klamotten herumläuft, sondern nerdig oder schüchtern ist.

Dicke Figuren gibt es auch kaum. Behinderte gibt es kaum. Mich reizte schon immer, eine Figur zu nehmen, die mal nicht so Standard ist. Könnten wir auch aufhören, Frauen mit Standardkörbchengröße D zu zeichnen…?

Das Aussehen in meiner Geschichte wäre also personenbezogen und divers. Mir fiel in einigen Ideen auf, dass ich ein westliches Setting bräuchte. Zwar muss nicht alles in Deutschland sein, aber Japan oder Asien allgemein ist trotz Besuchen eine andere Welt. Eine Geschichte spielt in Großbritannien… keine Ahnung warum.

Mich hat Fantasy an sich immer gelangweilt. Hexerei ist schon interessant. Trotzdem wäre vermutlich eine Mischung aus Fantasy und Science Fiction spannender. Als ich von „Attack on Titan“ erfuhr, fing das meine Vorstellung gut ein: Mittelalterliches Setting, keine Magie und moderne Technik. Vielleicht ist das ein Teil vom Steampunk-Genre? Wäre eine Hexe in der Geschichte, gäbe es keine Zauberstäbe. Ich ertrage „Harry Potter“ nicht!

Welche Ziele und Motivationen hätten die Charaktere? Tatsächlich ist das eine Schwachstelle. Mir fällt oft nur extremes Zeug ein. Dann gerate ich ins Fantastische, was bei einigen Autoren der Ursprung für ihre Fantasygeschichten war. Sie hatten keine logischen Ideen. :D In einem Workshop habe ich viele Beispiele bekommen, aber es hilft nicht. Warum bringt Frodo diesen bescheuerten Ring nach Mordor? Mich kriegen keine zehn Pferde dahin. Soll doch das Auenland mit mir untergehen! Da fiel mir auf, dass die Charaktere ein Teil von mir sein würden, egal wie gut ich eines Tages schreibe. Ich kann mir Sachen ausdenken, zum Beispiel Abenteuerlust oder der Tod eines geliebten Menschen. Allerdings fühlt es sich nicht interessant an. Als Mensch bin ich viel am gleichen Ort und erlebe wenig. Vielleicht ist das der Grund für die Blockaden und die Langeweile. Wiederum soll man aufpassen, nicht zu autobographisch zu werden.

Zeitlich würde ich gerne auch historische oder futristische Sachen in der Geschichte haben. Frei erfunden. Recherchen waren nie mein Ding… *räusper* Bei „Billy Bat“ von Urasawa und den Werken von You Higuri hat mich das historische Setting fasziniert. Es gibt zu oft diesen Satz „…beruht auf wahren Begebenheiten“ und damit könnte ich nur ein bisschen dienen. Wenn es sein muss, kniee ich mich dennoch in die Arbeit und lese, was das Zeug hält.

Ansonsten finde ich Manga im Vergleich zu Graphic Novels manchmal schon mutig, aber noch mehr künstlerische Experimente wie in „Mob Psycho 100“ oder „Ping Pong“ nehme ich gerne. Ich bin es gewohnt, dass einige da aussteigen. Gut, dass meine Kunstlehrer etwas damit anfangen konnten. Also ein bisschen Dada und Surrealismus, yay!

Yo, das war es von mir mit einem neuen Beitrag zur Serie „HÄTTE, HÄTTE, FAHRRADKETTE„. Abmoderation.

Es träumt schon wieder…
a|fiction|esse

2 Gedanken zu “Welchen Manga/ Anime würdet ihr produzieren?

  1. Das war bei mir ganz ähnlich mit den schwulen Charakteren in Geschichten – das war irgendwie immer ein Selbstläufer und die tauchten meist irgendwo auf. :D Aber leider hat das mit der Mangazeichnerkarriere vor dem Informatikstudium nicht geklappt. Dann gab ich mich der Illusion hin, dass man das ja vllt so nebenbei machen kann, was aus Zeitgründen irgendwann gar nicht mehr funktionierte …

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    • Dann beruhigt es mich, wenn ein so vernünftiger Mensch auch einen Homofaible hat.
      Ja, das Studium war eine richtige Zäsur. Ich habe, um Papier zu sparen mir ein Grafiktablet geholt, kam aber nicht damit klar. Dann holte ich mir einen Grafikmonitor: Kabel zu kurz und ich kam nicht klar. Es ist nicht zu Ende, aber bei meinen Prokrastinationskünsten ist alles schwierig. Schade, dass man in Deutschland so wenige Anlaufstellen zum Lernen dieser Kunst hat.

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