Helden der Kindheit und Kindheitsserien… [Medienbio #13]

Der lang versprochene Beitrag zu Kinderserien (ohne Animes). Kinderfilme kommen separat.

Nach einem gestrigen Vorfall von Gewalt bei den Nachbarn entschloss ich mich zum Aufgreifen diesen Themas, um etwas positives zu machen. Es gibt viel, was einem das Fernsehen geben kann, wenn man klein ist. Ganz besonders, wenn es draußen nicht schön, nicht sicher und nicht aufregend ist.

Auf Seite 2 gehe ich darauf noch einmal ein und möchte hiermit vorwarnen.

Kinderfernsehen war Routine…

Es fing natürlich an mit dem Zwergenprogramm, „Sandmännchen“ und Co. Meine früheste Erinnerung ans Fernsehen geht aber zurück auf die Zeit, als ich vermutlich fünf Jahre alt war. Mein Bruder dürfte noch nicht geboren sein worden und ich war zu klein, um samstags zu helfen. Auch wenn ich sehr früh freiwillig im Haushalt geholfen habe. Dafür hat meine Mutter stets den Glastisch übrig gelassen, der immer schön glänzte, wenn ich damit fertig war.

An jenem Samstag gab es Besuch. Ich saß mit Kroketten vormittags sehr nah am Fernseher und guckte „Teenage Mutant Ninja Turtles“ (USA). Ich glaube, ich hatte sogar den Teller auf dem Schoß. Daran merke ich, dass etwas besonders gewesen sein muss. Denn a) erlaubten meine Eltern sonst nicht, dass ich so nah am Gerät sitze und b) hätten sie mir gesagt, ich solle am Tisch essen.

Die Fernsehkanäle haben ihr Programm perfekt durchgeplant, um die Kinder früh… süchtig zu machen. Kinderfernsehen startet um 7 Uhr oder früher. Meine Freundin A schaute vor der Schule Fernsehen, was mir verboten wurde. Wenn ich am Wochenende sehr früh wach wurde, durfte ich auch nicht gucken. Wenn ich mir das Programm heute anschaue, glaube ich, hat meine Mutter richtig reagiert. Das meiste Zeug, was früh morgens kommt, ist für Kinder unter vier Jahren. Naja, eine Schulkameradin und ich haben auch mal „Die Teletubbies“ (GB) verfolgt… in der Oberschule…

Viel spannender waren die Werktage. Je mehr ich vom Programm am Nachmittag mitbekam, desto häufiger versuchte ich früher aus dem Hort gehen zu dürfen. Schließlich haben von den coolen Kids einige schon längst mit dem Hort aufgehört. RTL II, Sat1 und Kabel 1 waren die Privatsender mit dem größten Anteil am Kinderprogramm. Später kamen Super RTL und Nickelodeon hinzu. Schon ab der dritten oder vierten Klasse freute ich mich am meisten auf RTL II. Bevor ich Animes schaute, waren da zum Beispiel „Die Glücksbärchis„, deren Universum ich bis heute nicht verstanden habe. Mein Highlight war, wenn ich krank zu Hause bleiben konnte.

Was meine Mutter zu retten versuchte oder KIKA vs. RTL II…

Womit meine Mutter einverstanden war, waren Sendungen wie „Der Disney Club„, „Der Tigerenten Club„, „Hallo Spencer„, „Rappelkiste„, „Die Sendung mit der Maus„, „Siebenstein“ (habe den Buntstift vom Schreibwettbewerb!) und „Löwenzahn“. Solche Sendungen sind ab einem gewissen Alter nicht mehr interessant, aber als Erwachsener weiß man es wertzuschätzen.

Eine Show wie die beiden Clubs hatte Kindergruppen als Gäste. Man konnte gegeneinander antreten und etwas zum Spielen gewinnen. Für die Zuschauer zu Hause gab es auch Preise. Das hat natürlich in mir nicht ausgelöst, dass ich bei beidem ständig mitmachen wollte… Es gab Segmente, wo Serien gezeigt wurden. Immer Ausschnitte aus einer Folge. Man musste also dran bleiben. Am liebsten mochte ich „Twist Total“ (AUS), „Darwing Duck“ (USA), „Das Geheimnis des Sagala“ (POL), „Isnogud“ (FRA) oder „Ocean Girl“ (AUS). „Isnogud“ verdanke ich mein Interesse an der Stadt Bagdad.

Das Geheimnis des Sagala Ocean Girl Isnogud
(v.l.n.r.: Das Geheimnis des Sagala, Ocean Girl, Isnogud)

Die einzige deutsche Serie, an die ich mich erinnern kann, ist „Neues vom Süderhof„. Dort spielt Singa Gätgens mit, die später beim KIKA moderiert hat. Auch beim „Disney Club“ und „Tigerenten Club“ gab es Moderatoren, die ich später wieder sah. Antje Pinnow hat irgendwann bei „Logo! Kindernachrichten“ moderiert und kam schließlich bei politischen Sendungen der öffentlich rechtlichen Kanäle an.

Was Die Sendung mit der Maus oder „Löwenzahn“ mit Peter Lustig einzigartig machte, brauche ich wohl nicht zu erklären. Da nehmen sich Erwachsene, die euer Onkel oder Großvater sein könnten, viel Zeit und erklären die Welt. Ich fand das spannend. Es war leicht erklärt und vor allem kurz. Ohne meine Mutter hätte ich wahrscheinlich trotzdem kein Interesse an solchen Dingen gehabt. Bis heute verstehe ich nicht, wie meine Konzentration und Aufmerksamkeit so widersprüchlich sein können. Später kamen die Kindernachrichten von „Logo!“ hinzu, was meine Mutter ins Staunen versetzte.

Die pädagogisch wertvollen‚ Sendungen liefen vor allem am Wochenende am Vormittag. Meine Mutter war dabei und stellte sicher, dass wir nicht umschalten. Erst kam zum Beispiel „Die Sendung mit der Maus“ und dann die „Märchenstunde“ vom KIKA. Oft sind Kinderserien parodiert worden, doch bei diesen Sendungen und auch „Siebenstein“ mit dem Raben Rudi sagt keiner „nein„. Wenn Freunde bei uns übernachteten, wurde ihnen dieses Programm aufgezwungen. Damit sie etwas lernen. Allerdings saßen wir am Ende gespannt vor dem Fernseher und schauten alles bis zum Ende. Keiner hat aufgemuckt oder gesagt, es sei langweilig. Für meine Freundin A war es wahrscheinlich sehr ungewohnt. Sie schaute oft allein Fernsehen und dann eher alles andere als den Kinderkanal.

Ich war ganz schön geschockt, von meinen Mitschülern zu hören, dass Peter Lustig im echten Leben Kinderhasser sei. Das ist nicht, was man über ein Kindheitsidol hören möchte. Heute weiß ich, dass es ein missverständliches Interview war, was dieses Gerücht in die Welt setzte. Bei der Maus gehöre ich zur Generation Armin und Christoph. Besonders beeindruckten mich zwei Folgen. Einmal zur Frage, was nach dem Tod eines Menschen passiert. Da führte Armin vor, was ein Bestatter alles vorbereiten muss. Das andere Mal wurde von Christoph oder Ralf gezeigt, wie schnell und wirksam Zitronensaft Bakterien abtötet. Das habe ich mir für Erkältungen gemerkt.

An dieser Stelle sei noch „Die Sesamstrasse“ (USA) erwähnt. Auch das müsste bekannt sein. Die Figuren um Samson,  Oskar, Grobi, Graf Zahl, Ernie und Bert haben legendäre Sketche und Lieder (zum Beispiel „Mana Mana„) geliefert. Sowie eines der besten Outros in einer Serie. Außerdem gab es dann noch die Reihe „Es war einmal...“ (FRA), die über die menschliche Medizin, Geschichte oder das All sprachen.

Die Sendung mit der Maus Löenzahn Siebenstein
(v.l.n.r.: Die Sendung mit der Maus, Löwenzahn, Siebenstein)

Eines Tages begann meine Animephase auf dem Privatsender RTLII und meine Mutter war wenig begeistert. Es startete mit sarkastischen Kommentaren oder Fragen wie „Warum schreien die immer so?“ (häufig bei „Sailormoon„). Mich nervte es und manchmal schämte ich mich ein bisschen. Doch je älter mein Bruder und ich wurden, desto längere Arbeitszeiten hatte sie. Ich konnte an manchen Tagen, wo ich früher Schluss hatte, von etwa 12:30 Uhr bis 18 Uhr ungestört Kinderprogramm und Boulevard-Magazine gucken. Da war es mit dem Lesen von Büchern längst vorbei! Höchstens Manga und die BRAVO.

Die Serien auf RTL II waren insgesamt anders ausgelegt. Etwas schriller, bunter, actionreicher. Animes, die in Deutschland erst langsam bekannt wurden, passten teilweise nicht ins Kinderprogramm. Nicht alles war schlecht. In einem Interview von 2009 sagte Armin Maiwald („Die Sendung mit der Maus„), dass seine Sendung 2009 keine Chance gehabt hätte. Heute ist es wohl viel schwieriger. Wobei die Kinder heute sich viele Sendungen aussuchen und ersparen können. Das funktionierte damals nicht, weil man auf seine Sendung warten musste.

Wer mich fragt, was der Hauptunterschied zwischen KIKA und RTL II ist, würde ich mit „Werbung“ antworten. Auf KIKA laufen nur Programmankündigungen. Bei RTL II ist Werbung finanziell notwendig. Pünktlich ab circa 12:30 Uhr Spielzeugwerbung ohne Ende! Legendär ist für mich die maskuline, actiongetragende Werbung zu den „Dragonball Z„-Actionfiguren. Eine tiefe, energetische Stimme präsentierte alle Vorzüge, bis am Ende der feminine, melodische Jingle von der Firma „Spiel mit mit Susi“ kam. Ich musste mich zwicken. Und wer kennt nicht die Werbung zu den Aquamalern?

Serien für die Großen alias Jugendserien…

Meine Freundin A hatte wie ich alles mögliche geguckt. Nach  einer Weile skippte sie das Kinderprogramm komplett. Ich fand noch viel Gefallen an Kinderserien, auch animierten. Als zum Beispiel „Geschichten aus der Rue Broca“ (FRA) kam, war ich 12 Jahre alt. Diese Serie war kreativ, fantasievoll und animiert.

Es gab aber ein paar Sachen, die definitiv nicht mehr zur Kinderzielgruppe passten. Dazu gehören „Clarissa“ (USA), „Sabrina total verhext“ (USA), „Die Dinos“ (USA), „Die Simpsons“ (USA), „Malcolm mittendrin“ (USA) sowie erste Sitcoms, die alle Kinder guckten, hauptsächlich „Der Prinz von Bel Air“ (USA) und „Die Bill Cosby Show“ (USA).

Amanda und Betsy: Beste Freundinnen, die durch gute und schwere Zeiten gehen. | © imdb.com

Bis heute ist meine LieblingsserieAmanda und Betsy“ (CAN). Wie bei „Sailormoon“ (J) schaute ich jede Staffelwiederholung und konnte viele Folgen auswendig. Dafür habe ich leider nie die letzten Folgen gesehen. Erst auf Youtube konnte ich unter dem Originaltitel „Ready or Not“ das vermeintliche Ende sehen. Es geht um zwei Mädchen aus unterschiedlichen Verhältnissen. Amanda ist Einzelkind und ziemlich girly. Betsy hat mehrere Geschwister und ist recht bubihaft. Sie erleben Dinge, die mit Pubertät und Problemen Jugendlicher zu tun haben. Halb Drama, halb Comedy. Alles ganz ruhig und unaufgeregt. Themen waren Liebeskummer, Familienprobleme, Anerkennung, Diskriminierung, etc. Auch Misshandlung, Belästigung oder Tod wurden thematisiert.

Manches war dramatisch, aber ich fand die Umsetzung nicht unangenehm. Im Gegenteil: Ich mochte die Charaktere, die Dramaturgie und schauspielerisch konnte ich mich nicht beschweren. Damals fiel mir nur auf, dass die Kinder so viel erleben, dass sie auf einer Checkliste alles abhaken könnten. Auf der anderen Seite hat mich das eventuell auf die Welt da draußen vorbereitet. Irgendwer kann sich wahrscheinlich auch mit den Charakteren identifizieren. Amanda war mir immer zu quirlig. Ich gehörte zum Team Betsy.

Ich entdeckte allmählich meine Neigung zu Gruselgeschichten. Die Halloween-Folgen der Simpsons waren natürlich ein Muss. Dank ihnen lernte ich Edgar Allen Poe kennen, in der Episode „Der Rabe Nimmermehr„. So etwas gehört nicht in die Hände von Kindern! Damals gab es noch einen Hype um die Serie „Gänsehaut“(USA). Die Bücher vo R.L. Stine sind so beliebt gewesen, dass sogar ich eines kaufte und las. Wie immer reichte meine Vorstellungskraft… oder der Schreibstil des Autors nicht aus. Den Band zum Zauberkaninchen las ich dennoch zu Ende. Am schlimmsten fand ich an der Serie die roten Augen im Intro. Die waren genauso schlimm wie die in „X-Faktor: Das Unfassbare„.

Eine Serie, die in Deutschland weniger bekannt war, ist „Are you afraid of the Dark?“ (CAN). Das lief Jahre zuvor. Schauspielerisch nicht besonders fand ich einige Geschichten spannender und unheimlicher als in „Gänsehaut“. Dort schlichen sich Kinder der Gruppe „Die Mitternachtsgesellschaft“ regelmäßig nachts aus ihren Häusern und trafen sich im Wald, um sich gegenseitig Gruselgeschichten zu erzählen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Folge mit Jason Priestley, der einen Unfall hatte. [[Spoiler: Er wurde von allen ignoriert, bis er bemerkte, dass er gestorben ist.]] So etwas kriegt mich jedes Mal!

Im Laufe der Zeit sprachen mich selbst auf KIKA Serien erst ab dem späten Nachmittag an. Es wurden immer mehr Drama-Serien. Ich schaute zum Beispiel „Beverly Hills 90210“ und manchmal „Melrose Place“ mit meiner Mutter zusammen. Nichts sprach mich so an wie „Amanda und Betsy“ oder „Sweat“ (AUS), wo ich zum ersten Mal Heath Ledger kennen lernte. Als Heath Ledger starb, traf es mich stärker als erwartet. Ich glaube, es geht zurück auf die Zeit, als ich ihn als Snowie in der Serie gesehen habe.Heath Ledger wirkte aber auch als wäre er ein sehr netter Mensch gewesen.

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