Yamishibai (2013-) – Wer braucht schon Schlaf?

Yamishibai – Japanische Geistergeschichten

Yamishibai Yamishibai | © Crunchyroll.com

Japans Mythologie und modernes Leben haben viele Erzählungen geschaffen, in denen nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen ist. Das Land hat so viele Horrorgeschichten, die über die Grenzen hinaus bekannt wurden. Die Serie „Yamishibai“ (seit 2013) stellt einige dieser Geschichten von Geistern, Monstern und Zwischenwelten vor.

Die Serie enthält: traditionelle Animationen, düstere Musik, verlorene Menschen, kurze Episoden, Monster, urbane Legenden, gruselige Intros und Outros

Alles auf Anfang: Kamishibai und Folklore

Das Wort yami shibai (jap. dunkles Spiel oder dunkles Theater) geht zurück auf die Erzählform Kamishibai (jap. Papierspiel oder Papiertheater). Beim Kamishibai spricht ein Geschichtenerzähler und zeigt dabei Bilder in einem speziellen Kasten. Das religiöse Kamishibai existiert vermutlich seit dem japanischen Mittelalter (etwa 10. Jahrhundert) und wurde durch Mönche verbreitet. Erst im 20. Jahrhundert fand sich die Verwendung eher im Geschichten erzählen für Kinder. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg sah man Erzähler, die ihre Kästen auf dem Fahrrad schoben und die Kinder für eine Geschichte versammelten. Diese Erzählform verschwand allmählich mit der Erfindung des Fernsehens. In der Serie „Yamishibai“ wird im Intro ein Erzähler de Kamishibai gezeigt, der alle zu sich ruft.

Kamishibai Kamishibai in Japan | © Wikimedia.org

 
In vielen japanischen Geschichten kommen gute oder böse Geisterwesen vor. Manche dieser Wesen werden in Manga und Animes behandelt. Dabei sind Seelen von Verstorbenen (z.B. Yurei) , Monster (z.B. Kappa in „Ein Sommer mit Coo“ von Keiichi Hara; Riesenkrake), Dämonen (z.B. Oger in „Urusei Yatsura“ von Rumiko Takahashi; Tempelwächter mit Keule und Windsack) sowie Gottheiten (z.B. Todesgott in „Bleach“ von Tite Kubo) als auch Fabelwesen (z.B. sich verwandelnde Marderhunde in „Pom Poko“ von Studio Ghibli; sich verwandelnde Füchse in „Inu Yasha“ von Rumiko Takahashi; Drachen in „Dragon Ball“ von Akira Toriyama). Eine Geschichte, die im Kamishibai begann und als Manga und Anime weitergeführt wurde, ist zum Beispiel die Geistergeschichte „Ge Ge Ge no Kitarou“ (1959-1969, Shigeru Mizuki).

Handlung. Ein Mann mit einer lächelnden Maske ruft mit einer Trommel Menschen zusammen. Er präsentiert in einem Kamishibai seine Geschichten und sagt: „Kommen Sie und staunen Sie„. Bei den Geschichten handelt es sich um verschiedene Gruselgeschichten. Wer der Mann ist, ist nicht bekannt. (FSK: k.A.)

Insgesamt gibt es bislang 88 Folgen. Die Produktion begann 2013. Die erste Staffel wurde von Tomoya Takashima („Kagewani„) geleitet. Das Outro stammt unter anderem von Hatsune Miku, einer fröhlichen und reinen Vocaloid-Figur. Unter den Regisseuren der weiteren Staffeln sind auch Horrofilmregisseure wie Takashi Shimizu („Ju-On“ und „The Grudge“). Das Produktionsstudio ist ILCA („Love Life!„, „Monster Strike„, „Onara Gorou„), welches für ungewöhnliche oder düstere Geschichten bekannt ist. 2019 erschien die sechste Staffel. Alle Folgen dauern etwas mehr als vier Minuten. Eine deutschsprachige Veröffentlichung gibt es bislang nur auf Crunchyroll.

Künstlerische Machart

„Yamishibai“-Folgen dauern alle etwas länger als vier Minuten. In Japan hat die Zahl 4 einen ähnlichen Klang wie das Wort „sterben“. In einigen Folgen kommt die Zahl neben weiteren Unglücksträgern vor. Ein Mann übernachtet zum Beispiel in Zimmer 404, was tragisch endet. Die meisten Geschichten enden abrupt und haben in der Regel kein Happy End.

Zu sehen sind Animationen, die traditionell gezeichnet und dann computer animiert wurden. Der Zeichenstil verändert sich gelegentlich. Alles ist reduziert auf das nötigste. Man sieht keine hektischen Bilder, außer es passiert etwas. Stehbilder werden dramatisch eingesetzt und müssen ausgehalten werden. Wer zart besaitet ist oder zu jung, könnte hier sogar Alpträume bekommen. Die Zeichnungen und Stimmen werden so hart wie möglich umgesetzt. Ohne auf einen reinen Schock oder billige Effekte auszusein.

Yamishibai Folge 7x1 Yamishibai Folge 1x4links: Ein Mann soll nachts für einen Freund Pakete annehmen. rechts: Eine Lehrerin entdeckt im Kopierer Haare. | © crunchyroll.com

 
Jede Geschichte beruht auf einer Legende oder wurde davon inspiriert. Einige Motive sind stark mit dem städtischen Leben verbunden. So gibt es unheimliche Anrufe in der Nacht oder Begegnungen im Fahrstuhl. Wo zuvor Menschen waren, sind die Figuren plötzlich allein. Ein Mann fährt ohne seinen Sohn und seine Frau in einem vollen Fahrstuhl. Der Fahrstuhl hält in Etagen, die es nicht gibt. Er begreift dann, dass er in der Zwischenwelt oder Hölle gelandet ist. Traditionelle Elemente beinhalten zum Beispiel Talismane, in Verstecken lebende Monster oder Geister, Verwandlungen und Flüche. Häufig werden Menschen verfolgt, ohne es zu wissen. So erhält eine Frau Anrufe von einer besorgten Freundin. Was sie anfangs nicht bemerkt, ist, dass die Freundin von einem Dämon besessen ist und auf diese Weise näher kommen kann. Am Ende taucht der Dämon unbemerkt in ihrem Haus auf.

In den Geschichten kann man manchmal eine Moral entdecken. Doch an sich erzählen die Folgen nur den Ablauf. Es ist also wenig Zeit für Interpretation.

 

Meinung und Fazit: Der Schreckfaktor reicht von leichtem Grusel bis Jumpscare (plötzlches Aufschrecken). Es ist eine Mischung aus Horror und Thriller. Manche Geschichten könnten einen Ticken länger sein. Denn am Ende ist nicht klar, ob die Figuren entkommen werden. So muss der Zuschauer leider in seiner Fantasie weiterspinnen und es bleibt das unzufriedene Verlangen, die Geschichte bis zum Ende zu kennen. Selbst wenn klar ist, dass viele Figuren sterben. Gerne wüsste ich, worauf die Geschichten basieren. Doch viele Informationen bekommt man zur Serie nicht. Zunächst nahm ich an, es könnte wie „X-Faktor: Das Unfassbare“ sein, doch hier ist die Machart und Qualität anders. Lange habe ich mich bei solchen Geschichten nicht mehr gegruselt. Die Serie hat Suchtfaktor! Das Prinzip wird zwar schnell klar, doch der Reichtum an Themen und Motiven macht immer wieder Lust auf eine neue Folge. Außerdem wurde mir schnell klar, dass ich in Zukunft Dinge meiden möchte wie das nächtliche Herumlaufen, Türen öffnen, Anrufe beantworten und ganz besonders in Fahrstühle einzusteigen. Wer auf Horror steht, wird die Serie zu schätzen wissen!

Für wen? Wenn du Horror und Spannung magst; du eine gute Gelegenheit zum Japanisch üben brauchst oder du eine Mutprobe für die nächste Pyjamaparty suchst. Diese Serie ist definitiv nichts für Kinder!

Manga oder Anime? Es gibt keinen Manga.

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