Fazit Anime Berlin-Festival (2016)

Am Anfang war das Problem. Das 1. Anime Berlin-Festival fand vom 4. bis 14. August 2016 im Kino Babylon in Berlin statt. Ich erfuhr davon über Facebook. Natürlich freute ich mich, denn endlich musste ich nicht allzu weit fahren und konnte damit acht von geplanten elf Veranstaltungen besuchen. Das Programm wurde von Kino spät online gestellt, Facebook war schneller. Ich weiß aber, dass es auch Zeitschriften und Onlineportale als Werbepartner gab. Auf animexx und Kazé schaue ich nicht oft. Kazé hat aber auch erst zwei Tage vorher davon gesprochen.

Das Werbeposter war untypisch für Anime. Nach meinem ersten Besuch am zweiten Festivaltag , ist es mir im Bahnhof nahe des Kinos aufgefallen. Ansonsten habe ich es nur auf der Kinoseite gesehen. Es zeigt die beinespreizende Protagonistin aus „Die Tragödie der Belladonna“ von Eiichi Yamamoto, einem feministischen Anime aus en 70ern. Worauf sie sitzt, erkannte ich erst, nachdem ich den Film gesehen hatte… Normalerweise springe ich fast, sobald ich Kulleraugen von Mangafiguren sehe. An diesem Poster wäre ich ständig vorbeigelaufen, solange ich nicht die Schrift gelesen hätte. In fast allen Vorstellungen, die ich gesehen habe, war wenig los. Ich kam allerdings fast nur zu den Abendvorstellungen. Vor Ort selbst war genug Material da, um sich zu informieren und Werbung zu machen.

Es wurden Animes und Realfilme vom letzten Jahr gezeigt, zum Beispiel „Miss Hokusai“ von Keiichi Hara und „One Piece Film: Gold„. Daneben gab es interessanterweise Serien, Zeichentrick und Real. Außerdem kamen Klassiker im Rahmen der Werkschau Mamoru Hosoda („Ame und Yuki„, „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang„, „Summer Wars„), dem Pop Idol-Triple(„Tsukiuta„, „Love Live! Sunshine!!„, „Perfect Blue„) und der Reihe zum 6. August 1945 („Barfuß durch Hiroshima„, „Die letzten Glühwürmchen„). Darüber konnte ich endlich „Summer Wars“ nachholen, den ich bisher nur als Manga kannte. Das Programm lief täglich von Nachmittag bis etwa Mitternacht in einem großen Saal und zwei kleinen Studiokinos. Viele Filme wurden zu unterschiedlichen Zeiten wiederholt. Die Überschneidungen fand ich eigentlich hinnehmbar. Insgesamt hat das Programm für mich Sinn gemacht. Natürlich hätte man noch mehr aktuellere oder unbekanntere Sachen zeigen können, aber a) wer soll das alles schaffen? und b) hat es Newbies einen Einstieg ermöglicht… um sie zu rekrutieren… :D

Das Publikum, welches ich sah, wirkte fast ausschließlich erwachsen. Das war eine Überraschung. Zunächst positiv, da auch viele Leute über 30 kamen. Teilweise waren auch die Eltern dabei, soweit ich das mitkriegen konnte. Nach einer Weile zweifelte ich aber am Programm, ob es vielleicht nicht attraktiv genug sei. Jetzt kein Problem, aber zukünftig macht es die Festivalplanung schwer. Immerhin sind Sommerferien und Zeit genug müsste für die Schüler sein. Pro Film wurden 9€ (erm. 7€) bezahlt. Fair wie ich finde. Es gab auch ein Festivalticket für 50€, was sich aber erst ab fünf Veranstaltungen lohnt. Für Schüler ist das wucher, aber was soll man machen?

Im Programm gab es Events, die ich leider verpasst habe. Einen Synchronisations-Workshop und das Maid Café, bei dem hoffentlich ganz viele gekommen sind. Ich habe nur die Zeichnermeile in der ersten Woche angetroffen. Kazé hatte auch einen Stand. Begeistert waren die Zeichner nicht. Ich habe gehört, dass zum ersten Festivaltag eine größere Gruppe zum neuen „Dragonball„-Film kam, mit Maskottchen und drei der Synchronsprecher! Leider haben mich sowohl „Dragonball“ als auch „One Piece“ kalt gelassen. Von den Kommentaren her, schienen beide Filme populärer zu sein.

Ein anderer Grund zum Abschrecken vom Festival war vielleicht das Kino selbst. Ich hätte das Kino Babylon nicht auf dem Schirm gehabt, wenn es um ein Anime-Festival geht. Es ist klein, liegt in einem Szeneviertel, hat in der Regel ein recht anspruchsvolles Angebot (nicht falsch verstehen!) und die einzige Kinoorgel Deutschlands, die noch an ihrem originalen Standort steht… Wer im Kino war, weiß, warum ich das erwähne. Die Sitze fand ich für eine Veranstaltung okay. Ab zwei an einem Tag wurde es schwierig. Die Köpfe verdecken. Da einiges auf Deutsch gezeigt wurde, war es nicht schlimm. Aber bei Untertiteln hätte ich in einem vollen Saal wahrscheinlich keine Lust mehr gehabt.

Die Filme und Serien selbst waren nicht so der Hit. Meine Meinung. Ich bin ja schon seit langem nicht mehr so hinterher, was Animes betrifft. Es gab Klassiker zur Reihe 6. August 1945, die wirklich stark sind. Mit ein bisschen mehr Zeit hätte ich es mir vielleicht wieder angeschaut. Von den Filmen von Mamoru Hosoda hatte ich mir mehr erhofft. „Der Junge und das Biest“ und „Summer Wars“ waren leider nicht so überzeugend. Die Art, wie Hosoda die Geschichten erzählt, sind ziemlich ähnlich. Aber es reichte bei mir nicht, um diese beiden Filme noch einmal schauen zu wollen. Bei „Summer Wars“ war das Studiokino voll (mit Erwachsenen). Das Publikum hat gerade gegen Ende ein kleines bisschen gedruckst. Schon komisch, das live mitzuerleben, aber das Ende ist ja auch etwas… unfassbar?

Leider war die Enttäuschung auch bei „Miss Hokusai“ und „Die Tragödie der Belladonna“ da. Beide Filme zeigen starke Frauen, aber ein bisschen mehr Spannung hätte den Filmen gut getan. Insgesamt würde ich die beiden aber weiterempfehlen, da sie für mich besondere Animes darstellen. Eigentlich ist bereits ein Vergleich beider Animes interessant. Manche Animes brauchen ein bisschen, bis sie gefallen. Der Belladonna-Film ist übrigens von 1973 und wurde vollständig restauriert und erweitert. Kein geringerer als Anime-Übervater Osamu Tezuka hatte das Originalkonzept eingereicht!

Bei den Serien kam bei mir nicht so die Stimmung auf. Viele Vorurteile vielleicht..? Ich schaute durch Zufall „Tsukiuta“ von Itsuruo Kawasaki. Meine Erwartungen waren hoch, da es im Rahmen des Pop Idol-Triple gezeigt wurde. Also, das verheißt ja bereits, dass es mit einem bestimmten Hintergrund ausgewählt wurde. Bei jeder Serie wurden die ersten drei Episoden gezeigt. Nach dieser ersten war mir schon schlecht, um es mal übertrieben zu sagen. Ich blieb bis zum (bitteren) Ende. Mit der Erkenntnis am Ende, dass ich Anime-Serien doch nicht wieder eine Chance geben möchte… Allerdings kann man sich „Food Wars“ von Yoshitomo Yonetani durchaus angucken. Realfilme und -serien habe ich wie immer gemieden… es… geht… nicht…

Pluspunkt des Festivals ist für mich definitiv die Mischung. Das Publikum war altersgemischt und das Programm fand ich ausgewogen, wenn auch durch die Klassiker vielleicht ungeeignet für Leute, die schon lange Animefans sind. Wenn es um Klassiker geht, kann man mit Satoshi Kon immer punkten. Es gab viele bekannte Serien und Verfilmungen, übrigens nichts von Ghibli. Also auch viel einsteigerfreundliches. Dass es dieses Kino anbietet ist für mich noch immer eine Überraschung. Aber warum nicht?! Wenigstens mal etwas im Zentrum und so wurde ich auf andere Angebote aufmerksam. Nett fand ich auch, dass die Trailer zu den Filmen und Serien verlinkt wurden. Das Festival fand zum ersten Mal am Standort statt und da ist noch viel Luft nach oben. Nächstes Mal vielleicht in den letzten Wochen der Sommerferien beginnen.

Aber mal unter uns… Om(eng)U über alles!

Mag keine deutsche Synchro…
a|fiction|esse

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