arbeitslos sein

Hatte überlegt, ob und wie ich darüber schreibe. Nein, ich habe momentan eine Stelle, die für meine Verhältnisse ganz gut ist. Allerdings setzt mir diese Arbeitssuche seit Schulende ziemlich zu. Irgendwie glaube ich, dass es ewig so weiter gehen wird und davon kriege ich Panik.

Ich kenne viele Leute, auch international, die Jobs suchen. Sie sind bereit, viele Tätigkeiten zu verrichten. Ich bin noch nicht einmal soweit, dass ich mich viele Sachen traue, geschweige denn einen Beruf auswähle. Seit Jahren dümple ich in der Berufsorientierung vor mich hin und bin froh, dass ich zumindest aktuell eine Perspektive habe. Und einen akademischen Abschluss, der doch viel wert sein kann.

Regelmäßig treffe ich viele Spanier, die in der Hoffnung auf berufliche Perspektiven kamen. So schlimm wie im Fernsehen ist es nicht, dass Architekten als Brotlieferanten arbeiten. Allerdings gibt es natürlich viele mit sehr guten Abschlüssen, die sprachlich erst einmal die Grundkenntnisse nachholen müssen und dadurch Verluste machen. Momentan finden sie hier auch Arbeit, aber international sieht es mau aus.

In Teilen Chinas und Großbritanniens soll es so schlimm sein, dass sich alle auf unbezahlte Überstundenpraktika stürzen, ohne eine sichere Wohnung zu haben und mit Schulden durch Studiengebühren. Dadurch gewinnt nur der Arbeitgeber, trotz der ständigen Einarbeitung, die dann immer ansteht. Die Art der Abschlüsse entscheidet mit, aber allgemein sind es zu viele mit hoher Qualifikation, die sich auf wenige Stellen bewerben. Hier spreche ich übrigens nur von den Akademikern.

Für „Normalos“ gibt es immer Arbeit, aber die Löhne sind teilweise unhaltbar. Noch vor kurzem regten sich so viele über Flucht aus wirtschaftlichen Gründen auf. Mag ja sein, dass das ein Abschiebegrund ist, aber die Zustände in den ärmeren Ländern habe ich schon live miterlebt. Das ist wie ein Gefängnis.

Hier regen wir uns vielleicht darüber auf, dass es 100€ zu wenig sind oder die Arbeit keine Wertschätzung erhält. Genau das macht mir Sorgen. Meine Eltern liegen mir mit ihren Sprüchen, mich nicht unter wert zu verkaufen, noch in den Ohren. Das ist echt nachhaltig.  So sehr, dass ich potentielle Berufe (nicht Jobs) immer noch ausschlage. Natürlich soll ich auch noch die Familie stolz machen. Genauso diese Sache mit dem Studieren. Gebracht hat es mir in diesem Sinne noch nichts. Glücklicherweise habe ich einen „sinnvollen“ Abschluss, es liegt halt nur an mir. Wenn es Literaturwissenschaften, Philosophie oder Geographie gewesen wären…

Mich regt auf, dass man schon im Kindergarten darauf trainiert wird, sich der Arbeitswelt hinzugeben. Arbeit soll der Gemeinschaft nutzen, aber wo bleibt der Mensch? Es bleibt schon so für viele kaum Zeit, sich und die Welt zu entdecken. In Deutschland hat man als Jugendlicher mit dem Entdecken sogar noch relativ viel Glück. Wir haben Zeit für den Girls’/Boys‘ Day, Projektwoche und eventuell noch Freizeit am Nachmittag. Manche machen eine Jahr lang nach der Schule etwas anderes, bevor sie studieren oder Azubis werden. Außerdem gibt es Beratungsstellen für jede Sache.

In Ostasien hat man angeblich schon keine Chancen mehr auf einen vernünftigen Job, wenn man nicht auf die Top-Unis geht. Der soziale Druck ist auch so hoch, dass außer Studieren und guten Noten fast nichts für die Kinder übrig bleibt. Es ist ein weiteres Klischee, aber depressive und suizidale Schüler soll es dort viele geben. Das gleiche Phänomen gibt es aber auch unter Erwachsenen, die keine Arbeit finden. Was soll man machen ohne Einkommen? Der Staat unterstützt nicht in jedem Land so umfassend wie hier.

Bei mir ging es nach langer Ratlosigkeit durch ein Ehrenamt weiter. Die Maßnahmen vom Amt waren leider nicht hilfreich. Ich kenne aber auch niemanden bisher, dem das irgendwie geholfen hat. Am Ende half mir das Ehrenamt aus der Lethargie und Panik vor der Berufswelt. Dadurch kam man ins Gespräch, es gab Bekanntschaften und dann jemanden aus dem Bekanntenkreis. So fand ich meinen Job. Zufrieden bin ich nicht, aber ich versuche gerade Wege zu finden, um besser damit klar zu kommen. Eine Person war mir dabei ein gutes Vorbild; ich fragte mich, warum diese Stelle, bis ich bei ihm die Antwort sah. Dazu gehört außerdem ein Privatleben, denn das konnte ich bei einigen Praktika nicht mehr von der Arbeit trennen.

Auf einem Planeten mit so vielen Menschen ist es eine Frage der Zeit, bis alles kollabiert. Es muss nicht von „unten“ kommen, nach dem Motto „die Armen starten eine Revolte“. Allerdings haben wir heute andere Ansprüche als vor 50 Jahren. Heute sehen wir uns als Individuen mit individuellen Interessen. Freizeitkultur und die Industrie dahinter sind wichtig geworden. Menschen haben Lust auf das, was sie interessiert. Es ist schwierig mit dem Geist von heute, stur einer Beschäftigung zum Überleben nachzugehen. Viele müssen es machen, oft genug haben sie Kinder. Es gibt aber nicht umsonst einen Boom an Castingshows oder Self made-Unternehmern aus dem Internet.

Da mag vieles dahinterstecken: Sucht nach Aufmerksamkeit, Geldmangel, Suche nach Prestige, Spaß. In der kurzen Existenzzeit, die ein Mensch hat, darf er/sie aber mittlerweile mehr. Nicht nur auf dem Feld oder in der Fabrik ackern. Auch Hobbys sind normal sowie der Spruch: „Das Hobby zum Beruf machen„.

Daneben gibt es auch noch immer die Angst vor der Technik. Die Angst vor den Maschinen, die den Menschen die Arbeit wegnimmt, scheint aber nicht mehr wichtig zu sein. Ich kenne viele, die sich ein zweites Standbein aufbauen. Entweder durch richtige Nebenjobs oder durch eine Selbstständigkeit. Selbstständigkeit ist anstrengend aber ein Zukunftsmodell. Individuell halt.

Es ist schade, wenn man nur noch arbeitet, um zu leben. Eigentlich müsste es andersherum sein. Die 40 Stunden habe ich schon vor Jahren überschritten, aber aktuell meide ich es. Ich spüre so richtig, wie es in mir den Reflex eines Erstickenden oder Ertrinkenden auslöst. Noch habe ich kurzen Urlaub genommen, weil ich sonst nicht mehr wieder kommen wollen würde. Der Grund dafür soll mich zukünftig leiten, damit ich etwas finde, was mir „Spaß“ macht.

Die Lösung ist angeblich da. So behaupten es einige. Ich glaube, es gibt zumindest keine, ohne die Kontrolle über sich selbst zu erlangen. Ob durch regionale Kommunen, Therapien und Trainings, Netzwerkarbeit oder Stellengesuche. Ohne deine eigene Hilfe bleibst du versteckt, passiv, lethargisch, mittellos, depressiv, etc. Wenn deine Hilfe darin besteht, eine Beschäftigung zu finden, fein. Wenn sie darin besteht, dich selbst glücklich zu machen, auch fein. Wer bin ich, dass ich dich kritisiere?

Hin zum Ziel, statt weg vom Problem. Etwas, was ich noch lernen muss.

Es schiebt mal wieder Panik…
a|fiction|esse

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