[ein bissl anders #3] Sanguiniker in den Medien

Wie sieht’s mit den Sanguinikern dieser Welt aus?

Sch***freundlich könnte man sagen, oder? Nicht unbedingt, aber oft genug sch**** gut drauf! Ich hatte einmal eine Mitbewohnerin, die fast ein Bilderbuch-Sanguiniker war; gude Laune und nie nachtragend. Sie hat sich nie über etwas einen Kopf gemacht und wenn, dann hat sie nach 10 Minuten wieder alles vergessen und gemeint: „ach komm, machen wir was anderes!“.

Der Sanguiniker ist weniger berühmt als seine drei Vettern aus der Temperamentenlehre. Wenn man aber einen Blick ins Kinderprogramm wirft, fallen dort viele sanguinische Charaktere auf. Nur mit dem Unterschied, dass diese Figuren von Natur aus netter, fröhlicher und unbekümmerter gestaltet werden als Figuren für Erwachsenenprogramme. Nicht ganz so überzeichnet, aber doch sehr stabil ist der Sanguiniker. Manchmal ausgelassen und lustig, optimistisch, extrovertiert, mit dem Kopf in den Wolken. Morgen hier, übermorgen da. Eine Person, mit der man sich gerne unterhält und von der viel zurückkommt. Eine Person, die zu einem Gespräch auffordert und auf einen zukommt. Eine Person, die reden möchte und sich einfach neben dich setzt. Wenn man keine Lust auf die Person hat, dann ist es auch okay. Denn ein neuer Gesprächspartner ist schon gefunden. Einer, der dich perfekt ersetzt.

Wie erwähnt sind Figuren in Kindergeschichten ziemlich nah an diesem Schema dran. Vincent LaSalle („Disney’s große Pause“) kennt kein großes Drama, außer unmodische Kleidung und mangelnde Coolness. Er ist immer gelassen und selbstbewusst, was ihn unter den anderen beliebt macht. Unter vielen steckt auch Minako Aino („Sailor Moon“), die zwar seriös sein kann, aber immer wieder das Lächeln findet. In ihrem Kopf ist sie ein erfolgreicher Popstar und tritt unter ihren Freunden sehr selbstbewusst auf. Sie ist eine der ersten, die über etwas enttäuscht ist, um sich dann wieder von Jungs und anderem Kram ablenken zu lassen. Jedoch gibt es auch in Geschichten für Erwachsene einige Sanguiniker. Bei den „Gilmore Girls“ kocht Sookie St. James nicht vor Wut, sondern vor überschäumender Freude. In ihrem Gesicht befindet sich ein Dauergrinsen und die Augen sind immer am Leuchten. Sie braucht Beschäftigung und einen ständigen Plausch mit ihrer Chefin, die sie längst zur Freundin gemacht hat. In der Serie „Scrubs“ gibt es gleich zwei, Dr. John Dorian (JD) und Dr. Christopher Turk (Turk). Beide sind frohen Mutes und dürfen sich in der Krankenhausroutine nicht an Missgeschicken aufhängen. JD ist leicht ablenkbar und hat die seltsamsten Tagträume. Turk hält sein Leben für das beste und lobpreist seine magischen Chirurgenhände. Ein wenig extrem, aber in der Ecke der Sanguiniker.

Drei Charaktere können auf unterschiedliche Art dieselbe Persönlichkeit darstellen.

Amanda Zimm („Amanda & Betsy“)

Amanda ZimmDie erste Jugendliche in der Liste und vielleicht etwas überraschend. Amanda (13+) ist ein vielseitig interessiertes und talentiertes Mädchen. Ein kleines bisschen frühreif, aber noch naiv. In Zeiten, wo es vor allem um Romantik und Kunst geht, wirkt sie melancholisch. Doch im Vergleich zu ihrer besten Freundin Betsy und anderen Mitschülern, ist Amanda nicht unterzukriegen. Sie interessiert sich für das Zwischenmenschliche, spielt gerne Theater oder trägt etwas vor. Auf der Suche nach Anschluss stellt sie sich manchmal als etwas dar, was sie nicht ist. Irgendwann merkt sie, dass ihr Verhalten sie erneut in Gefahr brachte. Doch Amanda wäre nicht Amanda, wenn sie nicht auch das als Lektion für ihr Gesamtwerk nutzen könnte.

Bei der Darstellung der Sanguinikerin werden Situationen mit Wiedererkennungswert eingesetzt. Die Serie lebt von der Beobachtung und verzichtet bei Amanda auf allzu extreme Züge. Es gibt jedoch einzelne Situationen, bei der sie zuverlässig in ihre „Rolle“ fällt. Dazu gehört der Kontakt zu Jungs, das Auftreten in der Schule und der künstlerische Kontext. Auf der anderen Seite gibt es Situationen in der Familie und in der Beziehung zu Betsy, bei denen sie gekonnt in andere „Rollen“ wechselt. Nicht zu vergessen, dass sich der Charakter in der Pubertät befindet, wie fast alle Figuren in der Serie. Im Verlauf der Serie wird sie reifer. Die Emotionen, die mit Amanda verbunden sind, sind Freude und Überraschung.

Nathan Young („Misfits“)

Nathan Young Das Energiebündel Nathan (16-18?) kann anstrengend sein. Er hat das Bedürfnis, viel zu reden und zu wissen. In dieser Kombination steht er manchmal über anderen und beurteilt, was um ihn herum geschieht. Das macht er aber nicht geschickt. Gelegentlich beleidigt er andere und liebt es, sich über jeden lustig zu machen. Ob er den Namen einer seiner Mitleidenden kennt, interessiert ihn nicht. In seiner Familie gab es Probleme und er lässt es vermutlich auf diese Art heraus. Allerdings lässt er nichts an sich heran. Lieber macht er Party, flirtet oder drängt seinen Wissensdurst anderen auf. Wer versucht, ihm blöd zu kommen, versucht es vergeblich. Nathan weiß immer, wie er sich amüsieren kann.

Bei der Darstellung des Sanguinikers wird Zynismus und oft das Spiel der Extreme eingesetzt. Nathan ist in seiner Umgebung so etwas wie ein Clown. Er spricht sehr viel, macht ständig Witze und ist hyperaktiv. In der Serie entdecken Menschen nach einem Sturm ihre übermenschlichen Kräfte. Seine große Stärke ist die Imitation, die ebenfalls oft eingesetzt wird. Jede existierende Grenze, wird von diesem Charakter angezweifelt. Passend oder nicht ist seine übermenschliche Kraft zunächst ein Mysterium, bevor sie sich als die vielleicht mächtigste herausstellt. Nathans Charakter entwickelt sich spärlich weiter und existiert eher zur Unterhaltung. Emotionen, die mit Nathan Young verbunden sind, sind Scham, Freude, Angst und Wut.

Axel Foley („Beverly Hills Cop“)

Axel FoleyAxel Foley ist ein extrovertierter Ermittler mit einem starkem Redebedürfnis. Den vermeintlichen Makel macht er zur Methode seiner Arbeit. Außerdem ist seine Kontaktfreude hilfreich. Angekommen in einer neuen Region, in einem neuen Fall mit neuen Kollegen geht er flexibel und unkonventionell an die Dinge heran. Wer seine Hilfe braucht, bekommt sie auch. Dabei geht er manchmal Risiken ein, die zumindest für seine Kollegen unnötig sind. Aber was soll’s? Am Ende überrascht er genau diese mit Ergebnissen oder der Ansicht, dass alles halb so wild ist.  Er macht noch Witze, nachdem er gerade aus einer lebensbedrohlichen Situation kam.

Bei der Darstellung des Sanguinikers wird Ironie und das Spiel der Extreme eingesetzt. Als Comedy-Darsteller reagiert Eddy Murphy mit leichter Überzeichnung. Der Charakter wird jedoch in viele Situationen gebracht, die seine Geschicklichkeit und Kreativität beweisen. Es ist keine plumpe Witzfigur, sondern eine handelnde Person. Neben all der Komik, sind auch ernsthafte Momente da, in denen man seine Feinfühligkeit erkennt. Emotionen, die mit Axel Foley assoziiert sind, sind Freude und Überraschung.

Da scheint es bei den Sanguinikern eine breitere Mischung zu geben, im Vergleich zu den Cholerikern. Ein Charakter kann fröhlich sein, doch es muss nicht die Grinsebacke sein. Auch eine freudige Reaktion, eine Suche nach einem Spruch oder einfach ein Lächeln können reichen. Schwierig finde ich ältere Figuren, die zwar emotional stabil und extrovertiert wirken, aber vorrangig wie alte Menschen und nicht wie Sanguiniker dastehen. Passen könnten Dr. Kelso („Scrubs“) und Arthur Spooner („King of Queens“). Beide könnten einfach nur exzentrisch sein und auf vieles einen Sch*** geben.

Welche Figuren bzw. Charaktere fallen dir zu dieser Eigenschaft noch ein? Kennst du Sanguiniker im Alltagsleben? Was ist ein typische Satz eines Charakters? Woran erkennst du einen?

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2 Gedanken zu “[ein bissl anders #3] Sanguiniker in den Medien

  1. Uhuuuuuh ^____^ ich bin auch ein Sanguiniker!!! Hallo Welt, sieh’s positiv. Ich spiele total gerne mit was auch immer, aber ich kann auch mal ernst sein und Wut ablassen. Bin ja zur Hälfte auch Choleriker :D

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