Trotzdem eine Überraschung (MMC 2015)

Vor zwei Jahren habe ich über einen typischen Tag auf einer Manga-Convention geschrieben. Gestern war ich wieder auf meiner „Heimatconvention“ und bin überrascht, wie mich die Con überraschen kann, nach all den Jahren.

Ein neues Paar Schuh…
Das tolle an Berlin ist, dass wir zwei große Manga-Conventions haben. Nach den Problemen auf der AniMaCo letztes Jahr, gab es eine durchorganisierte MMC in diesem Jahr. Die Sache mit der AniMaCo 2014 kennen einige von euch vielleicht. Es war keine Katastrophe, niemand ist gestorben. Dennoch bin ich verärgert nach Hause gegangen. Das Team hat scheinbar von mehreren Besuchern Kritik für die Organisation bekommen und hat sich offiziell (!) entschuldigt. Was im einzelnen vorgefallen ist, weiß ich nicht und damit ist das Thema AniMaCo abgehakt.

Das MMC-Team holte sich Unterstützung von einer Marketingagentur. Meine Anfangsreaktion war bescheiden. Die Internetseite wurde überarbeitet, eine App wurde eingerichtet und auf Facebook gab es eine andere Kommunikation. Ich merkte einen deutlichen Unterschied. Es waren nicht alle Informationen von Anfang an gegeben, was utopisch ist, aber das störte mich nicht. Dafür gab es vom Team regelmäßige Updates. Selbst wenn ich meine Besuchstage nach den Workshops richte. Was mir trotz Cosplaywahn positiv auffiel, war die Lebendigkeit in der Facebookgruppe. Oft ging es früher nur um organisatorische Fragen, wie damals im offiziellen Forum. Diesmal wurde viel mehr miteinander geredet. Es war nicht leicht, denn gefühlt wurde in den letzten Monaten alles mit Cosplaybildern geflutet und geschrieben, was man von Freitag bis Sonntag anziehen werde. Ticketanfragen gingen unter. Ich hätte mir an dieser Stelle eine eigene Gruppe für die Cosplayer gewünscht.

Diesmal kam ich fast „pünktlich“, heißt im Kontext „eine Stunde vor offiziellem Beginn„. Eine Stunde reicht oft trotzdem nicht, um zu einem Event zu erscheinen. Was ich diesmal nicht beobachtet habe, war das Anstehen. Als ich um circa 9:45h anstand, war die Schlange lang aber übersichtlich. Leider gab es keinen Hinweis zum Warten, die Ansteher musste man fragen, aber es sah so aus als gab es nur eine Schlange. Da der Samstag über den Vorverkauf schon lange ausverkauft war, macht eine Schlange Sinn. Das Anstehen dauerte nur etwa eine halbe Stunde.

Dann kam der Moment, derjenige welcher. Die Helferin, die mir das Bändchen gab, informierte mich wohlwollend und superfreundlich mit einem Lächeln über die Con. Als wäre ich das allererste Mal dort. Das war… anders. Eine McDonalds-Werbung hätte es nicht besser machen können. Sie stützt meine These der glücklicheren Helfer am Eingang. Dann ging es weiter: Keine Tüte! Wir bekamen stattdessen Gutscheine. Oha!

Als ich an der Security vorbei ging, konnte man sich eine „Tageszeitung“ holen. Dort waren Highlights für den Tag aufgelistet. Auf der Rückseite, im „Feuilleton“, wurden ein paar Künstler mit Zitaten vorgestellt. Eine nette Idee. Für Besucher ohne Tüte lief eine Helferin mit dem Programm herum. Die Workshops musste man wieder an der Info anmelden. Neu war für mich, dass man die Platzanzahl so stark reduziert hatte, sodass manche sich nur noch als „Zuschauer“ in den Workshop eintragen konnten. Schade für alle, die „zu spät“ kamen.

MMC goes Comic.
Über eine weitere Neuerung möchte ich sprechen. Dieses Jahr gab es eine Kooperation mit der Jugendkunstschule Atrium, die in Berlin-Reinickendorf altbekannt ist und nur ein paar Minuten vom Fontanehaus, dem Veranstaltungsort, entfernt liegt. Dort fand eine weitere Veranstaltung der MMC nur zum Thema Comic statt. Deswegen war das Programmheft zweigeteilt. Die tausenden Besucher verteilten sich auf diese Art etwas weitläufiger. Der Weg zum Atrium war ausgeschildert. Zum ersten Mal bin ich während einer Convention Richtung Park gelaufen, wo einige der Cosplayer sich auf dem Spielplatz ausruhten. Manche spazierten am Wassergraben entlang.

Hätte ich besser nachgelesen, hätte ich Werbung gemacht. Die Veranstaltung war kostenlos und leider schlecht besucht. Es war angenehm ruhig und das Atrium lädt durch seine Architektur zum Besuch ein. Für die Künstler und Händler, selbst wenn es wenige waren, hätte ich mir trotzdem mehr Publikumsverkehr erhofft. Nicht wenige Mangafans mögen westliche Comics. An den Cosplayern sieht man es. Deadpool gehörte zahlenmäßig wahrscheinlich zu den Kostümen des Tages. Still war es dennoch.

Insgesamt finde ich die Idee einer Manga-Comic-Fusion aber super. Sogar Ralf König war da, immerhin einer der erfolgreichsten deutschen Comickünstler. Der Comic- und Manga-Stammtisch im Europa Center läuft schon lange auf diese Weise. Hoffentlich wird es beim nächsten Mal wiederholt und etwas populärer.

Die Sailor Pride Convention zum 20-jährigen „Sailormoon“-Jubiläum hingegen war im Fontanehaus integriert, neben dem Maidcafé. Allerdings war es eher wie ein kleines Fantreffen. Ich konnte für mich nichts interessantes finden und ging schnell wieder zurück. Nett war aber die Idee mit den Karten, wo „Sailormoon“-Fans ihre Begeisterung über die Serie niederschreiben konnten. Zu den Events zählte ein Cosplay-Workshop und ein Musical, für das sich eine ehemalige Showgruppe noch einmal vereint hat. Außerdem wurde der Zeichner Marco Albiero eingeladen, der auch Fragen beantwortete.

Stundenlang als Charakter.
So, endlich war es soweit. Ich spiele weder RPG noch habe ich Pen & Paper ausprobiert. Da mich die anderen Workshops und Veranstaltungen nicht so mitrissen, entschied ich mich nach oben zu Nexus zu gehen und beim Rollenspiel mitzumachen. Das habe ich mich vorher nie getraut. Anfangs kannte ich es nicht, dann dachte ich, es wäre zu kompliziert. Auf RBTV habe ich das erste P&P angeschaut und konnte ein bisschen in die Spielweise hineinschnuppern.

Mitspieler fand ich. Gerne hätte ich sie mir aber ausgesucht… Unser Spielleiter war ziemlich ruhig und gelassen. Das muss man wohl in diesem Genre drauf haben. Er stellte uns die möglichen Charaktere vor und ließ uns wählen. Da ich keine Erfahrungen hatte, wurde es klassisch „Dungeons & Dragons„. Ich brauchte eine Weile, um die Blätter durchzusehen. Zusätzlich stand alles auf Englisch da und ich rede nicht von Schulenglisch. Wir bekamen Gelegenheit für Fragen und ich lernte dabei ein paar Waffen, auf englisch und deutsch.

Als die gröbsten Unklarheiten beseitigt wurden und wir uns mit den Profilen unserer Charaktere vertraut machten, konzentrierte sich der Spielleiter und fing an, die Geschichte zu erzählen. Wie ein Märchenonkel fing er zunächst an, vorzulesen. Es war um uns etwas laut, aber er konnte störfrei erzählen. Die Art, wie er immer freier erzählte und die Details, die wir beachten mussten, ließ mich richtig in die Geschichte eintauchen. Manchmal war auch meine Konzentration weg, aber ich konnte mir alles bildlich vorstellen. Das war ein Erlebnis, was ich schon seit Jahren nicht hatte. Dabei muss ich mir allein im Job viele Geschichten anhören.

Meinen Charakter wählte ich, um passiv mitzuspielen. Ich wollte einen Charakter, der wenig ins Kampfgetummel passt und eher die anderen durch seine Kenntnisse komplettiert. Es stellte sich aber schnell heraus, dass er die Geschichte vorantreiben und oft eingesetzt werden konnte. Das hat mich mittelstark überfordert. Die anderen Spieler kannten sich mit den Typen besser aus und gaben mir Tipps. Wie mein Charakter wollte ich aber auch ein paar Sachen  selbst entscheiden. In manchen Situationen war das auch richtig. Während des Spiels habe ich mich gefragt, ob meine Charakterwahl zufällig oder gezielt war. Genau dieselbe Situation in puncto Störrigkeit. Mein Charakter gilt als störrisch. Durch Antipathie gegenüber einigen Mitspielern und deren unfassbar dämlichen Entscheidungen, habe ich irgendwann mein eigenes Ding durchgezogen. Warum soll ich meine Zeit verplempern..?

Nach einigen Stunden dachte ich, mein Hintern sei am Stuhl festgetackert. Gerne hätte ich mehr geschauspielert und mir gewünscht, dass der Spielleiter schneller reagiert. Für das erste Mal war es aber nicht schlecht. Aufgaben geschafft.  Außerdem sind nur meine Mitspieler verwundet worden. Was denn?!

Die Con hat mir gut gefallen. Natürlich gab es nicht nur positives. Es war aber bunt. Die Händler waren aus unterschiedlichen Bereichen, nicht nur Manga. Man konnte sogar Self Balance-Scooter ausprobieren. Chan von Applewar Pictures (bekannter Youtuber und Mangafan) kam nach dem letzten Jahr zurück, mit Unterstützung. Das Essen bleibt ein Thema für sich, aber ich habe nicht so lange anstehen müssen wie normalerweise. Der Helfer beim Bring&Buy schien etwas überfordert, aber ich konnte mein Zeug doch noch verkaufen. Man hatte Platz zum Laufen. Es gab wieder herrliche Dialoge unter den Besuchern. Jetzt überlege ich sogar, ob ich zum nächsten Rollenspieltag von Nexus gehen werde.

Ausgerechnet die Umfrage habe ich leider vergessen, abzugeben.

 

Nächstes Jahr natürlich dabei
a|fiction|esse

P.S.: Zitat des Tages kommt aber von einer älteren Frau, die auf dem Weg zum Fontanehaus folgendes zu ein paar Passanten sagte: „Die sind doch alle bescheuert!„.

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