Ausländische TV-Serien (nicht-englisch)

Durch Miss Booleana bin ich auf ein Thema gestoßen, was mich schon des Öfteren genervt oder angefixt hat. Es gibt in dieser Region sehr viele englisch- und einzelne deutschsprachige TV-Serien, aber fast nichts außerhalb dieser Sprachgruppen. Bei den Filmen sieht es etwas entspannter aus, wobei ich mich auf TV-Serien konzentrieren werde.

Für Recherchen empfehle ich die Sendung „Zapping International“ (arte), wo in jeder Folge das Fernsehen und die populärste TV-Serie eines Landes oder einer Region vorgestellt wurde. Auf arte ist halt Verlass, siehe Serie 1.

1) Dein Wille geschehe (Frankreich, arte, 2012 -)

Drama :: Gezappt und kleben geblieben. Es geht um junge Männer, die Priester werden wollen. Das ganze spielt in Paris beim Kapuzinerorden. Die erste Staffel ist etwas ruhig. Schwierige Themen wie Armut, Veruntreuung oder (natürlich) Homosexualität unter Priestern kommen vor, aber sie werden nicht aufgebläht durch die Sprache oder Handlung. Es sind eher Dinge, die man fast rein optisch wahrnimmt. Dadurch bekomme ich zumindest ein Gefühl dafür, wie ruhig die katholische Kirche ticken könnte, ist ja alles fiktiv. Alles ist aber spannend, delikat und geheimniskrämerisch. Ich ärgere mich, dass ich die komplette zweite Staffel verpasst habe. Es läuft auf arte (und der Mediathek 7+).

Jetzt kommt bald sogar Staffel 3!

2) Die Pepe Carvalho-Reihe (Spanien, RTVE, 1976-2007)

Pepe Carvalho Krimi :: Jetzt zu einer Serie, die im Spanischunterricht leider nie vorkommt. Pepe ist eine Romanfigur von Manuel Vázquez, ein Detektiv mit Allüren und Stil.

Die TV-Serie wurde in den 70ern und 80ern in Spanien bekannt. Insgesamt übernahmen acht Schauspieler die Hauptrolle. Alles spielt in einem rotzigen und kriminellen Barcelona. Immer wieder hat Pepe Kontakt zu Prostituierten, Dealern, Menschenhändlern und Leuten mit Doppelleben. Er ist Kommunist, genießt von seinem Angestellten feines Essen und verbrennt gerne Bücher. Gute Krimis, charmante Figuren und ein altes Spanien, nach der Zeit der Diktatur.

Die Figur ist sogar Namensträger eines Krimipreises, den unter anderem Henning Mankell gewann.

3) H (Frankreich, Canal +, 1998-2002)

Comedy :: Ein bisschen Klamauk für die Freunde der Arztserien. Was ihr an „St. Tropez“ mochtet, werdet ihr hier nicht finden. Hier läuft ein inkompetentes Ärzteteam Amok. Mittendrin sind bekannte Schauspieler wie Jamel Debbouze und Jean-Luc Bideau, der in Serie 1 mitspielt. Das Intro sagt eigentlich schon vieles über die Serie aus. Ich habe es bisher auf französisch geschaut und spätestens bei Jamel nichts verstanden, aber leider ist das momentan scheinbar die einzige Option. Es ist nie in Deutschland erschienen. Da es auch um Insidergags zum französischen Gesundheitswesen gehen muss, bin ich da etwas aufgeschmissen. Die Schaupieler müssen aber manchmal gar nichts sagen, weil schon allein die Blicke herrlich komisch sind. Jamel ist sowieso der Star und das Duo Ramzy und Éric sind ein Highlight. Bis heute weiß ich übrigens nicht, wofür der Buchstabe im Titel eigentlich steht.

Szene aus  Szene aus „H“, Staffel 1. Man achte auf die Hände vom Chirurgen (Jean-Luc Bideau). Gastauftritt von Jean-Claude Dreyfuss. © Canal +

 

4) Aber Vati! (DDR, DFF 1, 1974-1979)

Die Tante zu Besuch.,'Aber Vati!' (1974) Comedy :: Old but Gold. Eine deutsche Serie sollte schon irgendwo auftauchen. Statt „Lindenstraße“ oder den (ernsthaft!!!)  international populärsten deutschen Serien „Derek“ und „Schwarzwaldklinik„, nehme ich einen DDR-Klassiker. Eine Familienserie, die in Ost-Berlin spielt und ziemlich witzig war. Man kann es auch als Wessi schauen.

Das interessante an „Aber Vati!“ ist das Thema, finde ich. Es geht um einen alleinerziehenden Vater, der verkuppelt werden möchte… soll… möchte… soll… Irgendwie geht es um sein Liebesleben. Männern traute man damals nicht zu, sich allein um Kinder zu kümmern. Die Verwandten und Bekannten wollen ihm eine Frau besorgen, die Kinder haben aber ganz eigene Vorstellungen. Tatsächlich klappt es, so wie es sich die Kinder vorstellen, mit einer Patchworkfamilie. DDR der 70er Jahre halt. Manchmal mit niedlichem Berlinerisch und die Kinder sind ganz zauberhaft („Mutti, watt hat die Olle eben jesacht?„).

Ein Highlight ist für mich außerdem die Kulisse, da einiges im alten Spreepark im Plänterwald spielt. Das war einmal ein super Vergnügungspark, bis sich der Manager mit dem Riesenrad auf und davon gemacht hat. Dort wurde zu DDR-Zeiten noch der andere Klassiker „Spuk unterm Riesenrad“ gedreht.

5) Ein Herz und eine Seele (BRD, WDR, 1973-1976)

Comedy :: Noch eine deutsche Serie, aber was für eine! Westdeutsche Familie: Vadder anstrengend, Mutter trantüddelig, Tochter überfordert und der Schwiegersohn „ein Sozi aus der Zone„. Es gibt deutsche Serien, die tatsächlich lustig waren. Na gut, sie hat aus dem Ausland kopiert. Diese Serie lebt ganz besonders vom Humor des Vaters, der seine politisch inkorrekten Hypothesen in die Familie wirft und herrliche Vorträge hält. Nebenbei beleidigt er alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist und ist eigentlich eine ganz arme Wurst. Der einzig schlagfertige in der Familie, der Schwiegersohn aus dem Osten, ist mal offen, mal genervt für seine Geschichten.

Obendrein hat die Serie wunderbare Schauspieler (u.a. Diether Krebs) und fängt den Flair des kleinkarierten Deutschen der Nachkriegszeit ein. Wobei man merkt, dass die Eltern von Theaterschauspielern gespielt wurden. Hier macht das Live-Publikum auch richtig mit. Das schlimme an der Serie ist, dass es solche Leute wirklich gibt.

 

Noch nicht gesehen:

6) Lilyhammer (Norwegen, NRK 1 / Netflix, 2012-2014)

Krimi / Comedy :: Eine bilinguale Serie, die ich leider noch nicht gesehen habe. Ein Mafioso muss fliehen und will nach Norwegen, ausgerechnet in die Stadt Lillehammer. Er stammt aus New York und die kulturellen Differenzen sind vorprogrammiert. Die Serie soll gar nicht so schlecht sein und es wäre eine Möglichkeit, etwas vom „Sopranos“-Gefühl (USA) einzufangen. Sie wurde ausgezeichnet, aber auch nach der dritten Staffel abgesetzt… Bin am Zweifeln wegen der Körpersprache und Mimik des Hauptdarstellers, sieht etwas… 80er Jahre-DeNiro-haft aus. Allerdings habe ich einige Nebendarsteller gesehen und die sind jetzt nicht so übel.

7) Gomorra (Italien, Sky Italia, 2014-)

Drama / Krimi :: Italiens schmutzigste Stadt, Neapel, hat wieder mal eine Mafiageschichte zu bieten. Es geht um die Verteilung von Territorien vom Clan und das führt bekanntermaßen zu internen und externen Auseinandersetzungen. Hier soll nicht nur Standarditalienisch gesprochen werden, sondern sogar Dialekt. Basis für die Geschichte ist der Bestseller von Roberto Saviano, der damals für Nervosität in der Mafia sorgte. Die Serie startet erst, also abwarten, wie sie sich entwickelt. Im Gegensatz zu Serie 6 soll es alles andere als witzig wirken.

 

Ansonsten bin ich bei den TV-Serien ziemlich uninformiert oder habe Sachen vergessen. Man könnte noch ein paar Serien vorstellen, aber ich finde sie nicht so wahnsinnig empfehlenswert und ich erinnere mich leider auch nicht an die Namen.

Ich habe beispielweise eine italienische Familiensaga gesucht. Es ist ein Melodrama mit circa 10 Episoden. Die Familie wird über einige Generationen begleitet und erlebt einen Tiefschlag nach dem anderen. Lügen, Mafia, Tod, Trennung, kommt alles vor. Eigentlich ist nur der Sohn, der Polizist wird, spannend. Und der… keine Spoiler!

Außerdem eine Telenovelas aus Lateinamerika. Es gab mal eine, die in der Karibik spielt, zur Zeit der Sklaverei. Dort ist eine Tochter aus gutem Hause, die ihren eigenen Willen hat und zum Beispiel zur Strafe in der heißen Sonne neben den Sklaven hocken muss. Die Serie war gar nicht so schlecht, aber auch hier weiß ich den Namen leider nicht. Das sind halt die klassischen Soaps. Schade, dass ich fast nur europäische Sachen kenne.

 

Es gibt noch einige Kinderserien, die ich aber auch Erwachsenen empfehlen kann:

8) Lang lebe die Königin (Niederlande, 1995)

Drama :: Zählt eigentlich nicht, weil es auf KIKA als gestückelter Spielfilm lief. Zentral geht es ums Schach Spielen, was ein Mädchen mit ihrem unbekannten Vater zusammen bringt. Sie kann mit den Schachfiguren eines speziellen Spielbretts reden und entwickelt sich zu einem Schachgenie. Auch ihr bester Freund ist ein Fan vom Spiel. Die Serie ist sehr entspannt, frei von Hektik und optisch echt schön gemacht. Das Thema Trennung und Scheidung wird echt gut behandelt, wobei der bittere Beigeschmack immer spürbar ist. Denn das Mädchen hat natürlich Probleme.

9 + 10) Eva und Adam (Schweden, SVT, 1999 – 2001) vs. Bert (Schweden, SVT, 1994)

Comedy :: Zwei witzige Serien zu Beziehungsproblemen von Heranwachsenden. Die erste ist etwas dramatischer mit ganz viel „und dann sie so„, während die zweite eine slapstickartige Version von der Serie „Wunderbare Jahre“ (USA) ist. Beide Serien haben quasi dasselbe Thema und stehen für mich ein wenig in Konkurrenz. „Eva und Adam“ ist optisch etwas professioneller und besser gealtert, „Bert“ hat den Charme der skurrilen Figuren. „Bert“ beruht übrigens auf der Romanreihe „Berts Katastrophen„. Erwachsene höre ich manchmal noch genauso reden wie in den beiden Serien.

 

Zu den Filmreihen fällt mir gar nichts ein. Höchstens Komiker wie Louis de Funés (Frankreich), Bud Spencer und Terrence Hill (Italien), Adriano Celentano (Italien) oder Pierre Richard (Frankreich), die in Filmserien mitgespielt haben. Da gibt es landes- und sprachtechnisch auch viel interessantes. Oder die ollen Kamellen aus Hong Kong mit Jackie Chan.

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3 Gedanken zu “Ausländische TV-Serien (nicht-englisch)

  1. Ah! Interessante Serien hast du aufgezählt! Habe von den meisten noch nichts gehört. Finde die ersten beiden am interessantesten und werde mir die mal für die überlange Watchliste notieren ;) Lang lebe die Königin habe ich tatsächlich mal geschaut und fands sehr cool, habe aber glaube ich nie das Ende gesehen …

    • Das Ende ist vorhersehbar aber okay.

      Pepe kann man sich ruhig auf Spanisch ansehen, ist kein Katalanisch. Ich mag die Geschichten, weil es so richtig dreckig im Milieu ist. Die Stimmung ist super. Man muss wahrscheinlich nur seinen Liebling finden, so wie bei James Bond.

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