„Mr. Bill“ (1994) und das Bildungswesen (Teil 1)

Eines vorweg: Es begann damit, dass ich einfach nur einen netten Film zum Anfang der Sommerferien vorstellen wollte…

Der Film…

Zu meiner Verwunderung fand ich heraus, dass einer meiner Lieblingsfilme, „Mr. Bill“ mit Danny DeVito (Original: „Renaissance Man“, 1994), nach seiner Veröffentlichung ziemlich schlechte Bewertungen erhielt. Ich muss zugeben, dass ich den Film zuletzt vor mehr als 10 Jahren gesehen habe, dafür aber mehrmals. Der Film wird von einigen Kritikern als langweilig und propagandistisch eingestuft. Er soll sogar gefloppt sein. Mich wundert es.

Wenn ihr ihn kennt, was haltet ihr davon?

Bill RagoRago marschiert mit seinen Schülern.
© TV Spielfilm

Kurz zur Handlung: Im Film „Mr. Bill“ spielt Danny DeVito den frisch gefeuerten Werbefachmann Bill Rago. Der soll einen neuen Job bei der Armee beginnen, als Lehrer. Anfangs gibt es große Skepsis von allen Seiten. Bei der Klasse handelt es sich um eine Soldatengruppe (u.a. mit Mark Wahlberg, Stacy Dash), die als „Doppel D“ („dumm wie Dackelscheiße“) bezeichnet wird. Rago fordert die Klasse auf, ihre Lieblingsliteratur vorzustellen, was in die Hose geht. Als die Schüler erfahren, dass er Shakespeares „Hamlet“ liest, haben sie aber viel mehr Interesse daran. Er beschließt, den Klassiker im Unterricht zu behandeln. Irgendwann beschließt er sogar, sie darin zu prüfen, was für Aufregung sorgt. Für diese Ideen muss sich Rago rechtfertigen und gegen einige Widrigkeiten kämpfen. Während dieser Zeit erfährt er einige teils schwierige Details über seine Schüler.

Macht bitte nicht den Fehler, euch die Trailer anzusehen! Die sind furchtbar geschnitten. Die Handlung ist, wie ihr seht, nicht die neueste. Mir fallen gerade zum Beispiel „Sister Act“ oder „Criminal Minds“ ein, übrigens beides mit tollen Soundtracks. Es hat quasi die Handlung von „Criminal Minds“ und den Witz von „Sister Act“. Allerdings hat mir der Film durch die Dialoge und die Literaturbasis ein bisschen mehr gegeben als die anderen beiden Filme.

Bevor ich weiter gehe, nochmal zur Propaganda (Spoiler). Ich erkenne sie nur zum Teil. Es gibt Momente im Film, in denen klar wird, dass das Militär eine Alternative sein kann. Besonders Menschen ohne gute Bildung könnten davon profitieren. Das ist aber kein allzu großes Geheimnis, was sogar ich als pazifistisch eingestellter Mensch und Tochter eines ehemaligen Soldaten zugeben muss. Ja, laut Film, überleben in „Hamlet“ ausgerechnet der Student und der Soldat. Ja, Rago gewöhnt sich an das Militärleben. Und ja, er bleibt für die Armee im Einsatz. Einer der Schüler ist Sohn eines „Helden“. Das Heldentum bestand plump gesagt darin, dass sein Vater im Krieg getötet wurde. Keiner hatte aber dem Sohn geglaubt, bis Rago persönlich anfing, zu recherchieren. Die Biographien der Schüler lassen darauf schließen, dass sie ein Leben mit wenigen Perspektiven hatten. Ganz zufällig hat die US-Armee ihnen eine Perspektive geboten. Welche Perspektiven es im Militär gibt, wird aber nie verraten.

Anstatt von einer Propaganda zu sprechen, könnte man auch über die Schwarz-Weiß-Malerei reden. Auf der einen Seite ist das Militär. Die Soldaten leben auf der Army Base. Sie trainieren für den Kampfeinsatz. Hier macht es Sinn. Rago bringt die Bildungswelt hinein, von der er warum auch immer etwas versteht. Plötzlich stellt sich für die Soldaten heraus, dass sie ein Gehirn besitzen und nicht nur Muskeln. Sie erfahren etwas über das Leben in der Vergangenheit und lernen die neu gewonnenen Informationen sogar so sehr zu schätzen, dass sie ein Lied komponieren. Noch besser, sie machen eine Bildungsreise nach Kanada. Nicht zu vergessen, der Showdown zwischen Rago und dem Ausbilder, der durch ein Zitat aus „Heinrich, dem Fünften“ , ebenfalls von Shakespeare, entscheiden wird. Während die anderen mit Andacht lauschen.

Die Pluspunkte dieses Films sind für mich die Charaktere, die alle zu Wort kommen. Sie sind alle sympathisch und man sieht am Konkurrenzkampf zwischen Rago und dem Ausbilder, wie viel ihnen an den Schülern liegt. Denn es geht hier nicht nur um einen Sommer, sondern um das Leben der Leute. Dass die Wahl ausgerechnet auf „Hamlet“ bzw. Shakespeare fiel… Na ja, fack ju göhte…

Außerdem finde ich den Film durchaus witzig und das nicht unbedingt auf unschuldige Weise. Da ich den Film nur auf deutsch gesehen habe, kann ich nichts zum Schauspielern sagen. Allerdings kommt selbst Mark Wahlberg gut dabei weg. Danny DeVito wirkt zwar immer noch nicht wie ein Lehrer, aber Bill Rago wirkt wie jemand, dem das Unterrichten Freude macht. Darum geht es, Freude am Lernen. Als ich den Film als Kind gesehen habe, hat mich der Film – nochmal an die Propaganda denken – noch stärker zum Schulabschluss geführt. Vielleicht liegt es daran, dass am Ende das Wissen über die Gesellschaft, wie sie funktioniert, wer belohnt wird, wer am meisten zahlt, doch im Film dominiert. Gerade einer der acht Soldaten wird nämlich wieder von der Realität „da draußen“ eingeholt und… beschäftigt sich dann mit einem weiteren Werk Shakespeares. Nicht zu vergessen, dass die Tochter von Bill Rago zeigt, wie es sich anfühlen kann, wenn man sich für die Bildung entschieden hat.

Ich kann den Film empfehlen. Jeder soll selbst entscheiden, ob es Propaganda ist. Falls, dann für welche Seite?

Teil 2: „Mr. Bill“ (1994) und das Bildungswesen

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