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CIB 2015: Unmöglich, aber wahr!

Man nehme: eine große Portion Humor, würzt es mit einer halben Stange Lässigkeit, vermengt es mit ein bisschen Regenwald und reibt etwas Frühling darauf. Fertig ist die diesjährige Comic Invasion in Berlin. Diesmal: zweitägig!

Schon letztes Jahr wollte ich hingehen, habe aber meinen Zahnarzttermin genau in diese Woche gepackt. Mit frisch gezogenen Weisheitszähnen wäre es schlecht gegangen. Dafür hat es jetzt geklappt. Die CIB war gut von der Bahn aus zu erreichen. Es ist eine alternative Szene mit etwas erwachseneren Comicvorlieben. Viele Illustratoren sind darunter und auch erfolgreiche Comicautoren. Zum Hineingehen muss man sich immer wieder etwas durchzwängen. Die Menschenmassen waren schon am Samstag beeindruckend, Sonntag schienen aber doppelt so viele gekommen zu sein. Im Carré konnte man sich die Werke der Künstler anschauen. Lange stehen bleiben wurde unangenehm, wenn neue Interessenten kamen. Viel Platz gibt es in der Urban Spree leider nicht.

Kunstwerke. Die Zeichnungen sind alle recht alternativ. Ich habe etwa zweieinhalb Mangakünstler getroffen und ein paar mehr, die sich mit klassischen Superhelden beschäftigen. Beklagen kann ich mich nicht, denn es sind viele tolle Arbeiten dabei. Weniger ist mehr oder so. Die Ausstellung zeigte dies am deutlichsten. An einer Wand hingen einige Wettbewerbsgewinner zu „Berlin 2055„. Aufgabe war es, die Stadt im Jahr 2055 auf zwei Seiten darzustellen. Die simpelsten Arbeiten waren teilweise die besten.

Was mir mit am meisten gefiel, ist die Tatsache, dass diese Künstler Fans von schwarz-weiß-Bildern sind. Hier wird noch traditionell mit Tinte und Schraffur gearbeitet. Kommt Farbe ins Spiel, erinnert es manchmal leicht an die Grafik des frühen 20. Jahrhunderts. Die Figuren selbst sehen dann total rotzig aus. Ich mag die hübschen Mangateens, aber ich schätze auch, wenn jemand weiß, wie man mit wenigen Mitteln einen Effekt herstellt. Deswegen sollten sich viel mehr Mangafans mit Comicfans austauschen.

Neben Verlagen und Kollektiven wie berlincomics, Parias und dem Jaja Verlag, boten auch Graphic Novel-„Riesen“ Reprodukt und Avant einige an. Richtige Comicbücher gab es leider selten, aber die meisten Künstler arbeiten auch ohne Verleger. Es gab einen Manga zum Tabuthema Homosexualität im Männerfußball von panaManga; Ash Pure stellte seinen futuristischen Comic „The Lion and the Unicorn“ vor; leichter ist es da für Webcomickünstler wie Marc Robert mit seiner Story „Texorcist„.

Einige Leute kannte ich vom Comicstammtisch bei Renate (Anlaufstelle für Comicfans und -macher aus dem Indiebereich). Von dort kannte ich auch das Sprachen Wechseln. Es gab sehr viele internationale Besucher und Künstler. Englisch ist fast ein Muss, danach kam schon Spanisch. Auch die Produkte sind manchmal auf Englisch, Spanisch, Französisch oder Italienisch. Damit fielen einige Zines und Hefte weg, aber schön, dass man auch etwas in seiner Muttersprache finden kann.

Am Samstagabend gab es ein ZeichenBATTLE (mit einem ziemlich guten Moderator). Die drei Teams – Die Impressionisten, Die Daltons und Die drei Grundfarben – mussten Stichworte des Moderators und Publikums zeichnen. Zwischendurch wurde gewechselt. Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Teammitglieder so viel Einsatz zeigen. Aus dem Zeichenbattle „Catch à Moustache!“ wurde eine richtige Show! Die Teilnehmer stellten sich in Kampfoutfits vor, bekamen Bühnennamen und griffen die gegnerischen Zeichner an. Mal wischte einer mit Leninmaske auf dem Papier herum, dann kam die Walküre und hob das Flip-Chart und ein anderer scheuchte den Gegner mit seinem Hintern. Nur Superhelden vermögen so etwas zu tun!

Da ich mich viel bei Bekannten aufhielt, habe ich meine erste Live-Comiclesung verpasst. Dafür war es aber auch ganz schön voll an der Bühne und für die Aussteller daneben sicherlich nicht praktisch. Am Sonntag wollte ich mir die Band anschauen, aber sie waren – wie ich finde – unglücklich direkt vor dem Eingang platziert. Es gab kein Vorbeikommen. Bedauerlich, weil die Band mit ihren Instrumenten im Ansatz ziemlich interessant aussah. Von weitem habe ich nur Marc Seestaedt (Veranstalter und Foto-Comicautor) und den „Dealer“ aus dem Zeichenbattle sehen können.

Schwierig war auch der Weg zum Workshop für Mädchen und Frauen. Nur durch eine Organisatorin konnte ich teilnehmen. Der Weg führte durch einen zweiten Eingang, über dem „WC“ stand, hinter eine Absperrkette und hoch in den nächsten Stock. Selbst dann stand ich ratlos vor den vielen Türen, weil es nicht ausgeschildert war. Eine Gladiatorin zeigte mir dann, wo es hinging. Im Workshop ging es dann um Rollenbilder im Comic, Klischees zu weiblichen Figuren und Möglichkeiten, einer Figur mehr Tiefe zu geben. Wir sahen bekannte Beispiele für Mögliches und Gelungenes wie „Tank Girl“, „Tomboy“, „Persepolis“ und „Ms. Marvel“ (Kamala Khan). Am Ende haben wir dann noch eine eigene Figur entwickelt und gezeichnet.

Was bleibt, ist Aktivismus für Kreativität. Vieles war selbstorganisiert, selbst herausgebracht (wie übersetzt ihr self-published?). Die Szene ist sehr entspannt und neugierig. Das macht alles so schön stressfrei. Außerdem gefällt mir das internationale Flair. Ohne Bekannte oder Programm wäre es ganz schön langweilig. Deswegen war ich froh, dass ich jemanden getroffen habe. Ich wünsche mir, dass das Festival größer wird, aber ich habe Angst um die Atmosphäre. Insgesamt hat es mir sehr gefallen und das Improvisieren gepaart mit den Zeichenstilen machen gute Laune.

Hier weitere interessante Künstler:
Parallelallee (weiß leider nicht, wer am Stand war)
Alex Durent
Simon LéJeunè
Massimo Bonanno

Ein Asien-Reisebericht von Pabloientile („Pablo Bear goes to Asia„)

Für alle, die das Hauptfestival verpasst haben: Die Satellite-Veranstaltungen der CIB laufen noch ein paar Tage.

macht evtl. beim nächsten Zeichenbattle mit
a|fiction|esse

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