Datt Ding mit die Videospiele… [Medienbio #3]

Als ich 2007/08 anfing, mir die fernsehtauglichen Videos auf Youtube anzugucken, machte ich Bekanntschaft mit dem „Angry German Kid“ (mehr Infos unter jedem guten Youtubeprofil). Es ist ein Meme, das international schnell Anklang fand. Ich dachte mir nur: „Bruder, bist du es?!„.

Meine eigene Geschichte mit Video- und Computerspielen reicht aber auch ein wenig zurück. Zwar wäre ich wohl ein Casual Gamer, habe aber auch eine Menge Zeit hineininvestiert, unter anderem in einem Team mit Mutti und Brudi. Wir haben die anderen so fertig gemacht, nä! Wir sind nich so schlecht wie die, diese Anfänger könn nich mal  spielen voll der witz ey !!!1!!

Ich distanziere mich übrigens von diesen haltlosen Klischees, man würde beim Spielen hochnäsig und aggressiv werden. Man selbst ist nie asozial! Schuld sind diese ganzen Noobs, die nichts aushalten.

Erste Begegnungen

Der vermeintliche Grund, warum ich bis heute nicht zu den Gamern gehöre, ist meine Unlust zu spielen. Im Kindergarten habe ich sehr gerne gespielt, auch recht lange. Wenn ich heute mit Kindern arbeite oder in der Familie mit ihnen zu tun habe, lasse ich die Erwachsenen links liegen und klettere auf die Rutsche… im metaphorischen Sinne. Was mir aber nie gefallen hat, waren Brett- oder Kartenspiele. Die habe ich gespielt, aber heute fasse ich das nicht mehr an. Videospiele gehören auch zur Kategorie „fasse ich nicht an“. Vielleicht bin ich eher der physische und soziale Spieler, weniger der technische und strategische..?

Mein Onkel besaß damals eine SEGA und dazu die ganzen Spiele, für die SEGA bekannt wurde. „Sonic, the Hedgehog“. Mich interessierte damals schon Martial Arts und so weiter. Dementsprechend schnell fand das Spiel „Street Fighter“ bei mir Anklang. Mein Problem war, dass mein Onkel mich ungern an seine Technik ließ. So musste ich die günstigen Momente ohne Aufsicht abwarten, in denen ich den Fernseher einschaltete und die Konsole anschmiss. „Street Fighter“ packte mich. Jedes Mal verlor ich gegen den blöden Sumoringer! Bis heute habe ich daher eine Abneigung gegen Sumoringer in Videospielen, das ist kein Witz. Ansonsten habe ich nichts gegen diese Leute. Solange es diesen Sport noch gibt, solle man ihm nachgehen. Ich entwickelte bei „Street Fighter“ auch schnell eine weitere Angewohnheit: Mein Charakter bleibt immer derselbe. Der Charakter, den ich jedes Mal auswählte, war der Boxer. Ken, Ryu, Guile und Chun Li waren ganz nett, aber der Boxer hatte ordentlich Wumps.
(Mir fiel übrigens erst spät auf, was für eine Amazone Chun Li ist. Pluspunkt: Sie trägt richtige Kleidung. Nehmt das, ihr „Mortal Kombat“-Schlampen!)

Balrog, der Boxer Spielerauswahl Menü in Street Fighter
v.l.n.r.: Street Fighter-Boxer Balrog (manchmal M. Bison) und ein kosmopolitisches Flair

Seitdem (damals war ich etwa 7) habe ich SF tatsächlich nie wieder gespielt. Dabei gefiel mir die Serie, ich schaue mir auch Videos zu den neuen Spielen an. Über die Grafik brauchen wir hier nicht zu sprechen, aber wie üblich sind die Charaktere faszinierend. Den Film mit van Damme habe ich nur ausschnittweise gesehen, die letzte halbe Stunde. Er ist vergleichbar gut mit den Filmen zu „Mortal Kombat“. Auf deviantart schaute ich mir immer die Illustrationen der Udon Crew zu SF an und bleibe nostalgisch. Leute verprügeln, ja, aber es sind coole Charaktere!

Erste Spiele

Selbst besaß ich nie eine Konsole. Spät einen Computer. Nie einen Tamagotchi. Vielleicht hat mich das vor einigem bewahrt. Mein Bruder war derjenige, der von uns allen mehr oder weniger Zugänge zu den Spielen erhielt. Über ihn bekam ich die Gelegenheiten. Es begann mit den Computern meiner Mutter. Die hatte sie von ihrer damaligen Arbeitsstelle ausgeliehen bekommen. An diesen Rechnern – alle paar Jahre ein besseres Betriebssystem – brachte ich mir den Umgang mit Office bei und spielte mit meinem Bruder Spiele zur Kindersendung „Löwenzahn“  (Point & Click) sowie „Hugo“, was unsere Mutter gekauft hatte. „Hugo“ war ein kleiner Troll, der wie Super Mario eine Frau befreien sollte, aus den Händen der äußerst erotischen Hexe Morgana. Damals gab es die TV-Sendung dazu, die wir regelmäßig schauen durften. Dort konnten Kinder für einen Gewinn spielen. Es war sehr einfach, weil man in einer angenehmen Geschwindigkeit einzelnen Gegenständen ausweichen musste. Dazu brauchte man lediglich zwei, drei Tasten und musste wissen, wo links und rechts ist.

Eines Tages jedenfalls, zum etwa 9. Geburtstag meines Bruders, kam mein Vater mit einer Nintendo 64 an. Die Stimmung kippte. Mein Bruder merkte es nicht, ich aber. Wie es bei mir mit dem starken Fernsehkonsum anfing, fing es bei meinem Bruder mit dem starken Spielekonsum an. Zunächst spielte mein Vater gemeinsam mit meinem Bruder. Das erste Spiel war „Super Mario 64“, was noch relativ neu war. Wir haben den N64-Hype also voll mitbekommen. Dann saß mein Bruder schnell allein da und meine Mutter sah die Notwendigkeit, die Konsole zu verbieten. Es half aber nichts. Mein Vater pochte darauf, dass die Sache extra für meinen Bruder war und mein Bruder hielt sich nicht an das Verbot. Schnell zeigte sich, dass er ein Talent fürs Spielen hat. Im Gegensatz zu mir. Früh hieß es dann auch von ihm, ich dürfe nicht mitspielen. Bis heute nicht!

Es sammelten sich trotz Protest meiner Mutter durch verschiedene Personen einige Spiele an. Ich scheiterte bei „Super Mario 64“, wenn ich mal spielen durfte… aber eigentlich nur, weil mein Bruder zuguckte. Dafür war ich aber besser in „Donkey Kong 64“. Seltsamerweise konnte mein Bruder genau das nicht. Ich spielte DK64 übrigens oft allein. Das ist vermutlich der Schlüssel zur besseren Performance. Als ich gegen die ersten Endgegner der Levels spielen musste, bekam ich immer einen Herzkasper! Irgendwann wurde es zu schwer und ich musste auch meinem Bruder weichen, der seine persönliche Spielzeit expandieren ließ. Unsere Mutter musste arbeiten. Später unternahm sie einen Kontrollversuch, indem sie mit ihm an Wochenenden gemeinsam spielte. Ich durfte dann endlich mitspielen. „Mario Kart“ (immer mit Peach) und „Mario Party“ (immer mit Daisy).

Meine Mutter hatte mich immer angefeuert. Sie war eine gute Spielerin, aber mein Bruder hatte den Dreh raus. Sprichwörtlich. Jeder weiß, dass ich eine langsame Reaktionszeit habe. Meine Mutter und mein Bruder haben das voll ausgenutzt. Jedes Mal kamen diese Dreh-Schnell- und Drück-Tasten-Minispiele in MP. Zufall? Nein. Intrige? Jaha! Wie die beiden abgingen, kann ich kaum beschreiben. Supermotoren mit bestimmt 150 Drehungen und Schläge pro Minute. Das schaffe ich nicht. An dieser Stelle muss ich wie Etienne Gardé mal den Analogstick der Pads von N64 loben. Das war einfach, griffig, alles war stimmig! Es war lustig mit den beiden. Unsere Mutter, schon immer sehr geduldig mit uns, spielte manchmal zwei Tage mit ihm durch. Hätte es ihr nicht gefallen, hätte sie es nicht gemacht.

Super Mario Donkey Kong 64
Pokémon gelb Zelda Majora's Mask
(v.l.n.r.: Super Mario 64, Donkey Kong 64, Pokémon Gelb, Legend of Zelda)

Später brachte mein Bruder Kumpels zum Spielen mit. Einen Kumpel schlossen wir ins Herz, aber auch nur einen! Der, der niemals Wiesen sah. Der Junge, der niemals Wiesen sah, war Impuls für ein starkes Verlangen, mich nicht zu intensiv mit Spielen zu beschäftigen. Mein Bruder war wesentlich harmloser als dieser Junge. Durch ihn machten wir Bekanntschaft mit „Super Smash Brothers“ (immer mit Link) und den Pokémonspielen auf N64 und dem Gameboy. Pokémon war damals recht neu und dermaßen populär, dass man daraus den bekannten Anime machte. Was soll ich sagen? Ich habe „Pokémon blau & rot“ gespielt. Viele Mädchen, die mit Video- oder Computerspielen nichts zu tun hatten, spielten (damals) genau zwei Spiele: „Die Sims“ und „Pokémon blau & rot“. Fragt mal herum! Ich habe beides gerne gespielt. Das perverse an den „Sims“ war, dass ich stundenlang virtuellen Figuren dabei zusah, wie sie ihrem Geschäft nachgingen, während ich meine Blase kaum noch kontrollieren konnte.

Was ich leider nie richtig auf N64 gespielt hatte, war die „The Legend of Zelda“-Reihe.  Jeder erinnert sich bestimmt noch an die Werbung zu „Majora’s Mask“. Ich wollte wissen, was es mit dem Mond auf sich hat. Außerdem sprach mich die Ästhetik von Links Gesicht an. Diese zierliche Nase, die man auch bei Xandir aus „Drawn Together“ so gut hinbekommen hat. Dafür konnte ich ihn aber wenigstens in SSB spielen. Und ich war gut. Das haben auch die beiden Jungs gesagt!

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5 Gedanken zu “Datt Ding mit die Videospiele… [Medienbio #3]

  1. OMG(osh), dieser Artikel gibt so viele Impulse, da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich glaube, mir geht es da ähnlich wie dir: Ich bin nicht sehr im Spielen an sich verhaftet, schau(t)e jedoch auch „Game One“ & Formate bei GIGA, weil mich die Szene einfach interessiert. Das übernimmt bei mir jetzt IGN. Apropos Game One „Die ‚Rechte‘ der Linkshänder“ müssen bei Videospielen endlich stärker berücksichtigt werden! Left is Alright“ Was bei dir die Beat ‚em Ups waren, sind bei mir die RPGs. Das fing bei der Ästhetik (also vor allem dem Character Design) von Kingdom Hearts und darüber Final Fantasy an… und der Musik. Oh ja, die Musik :) Mit fortschreitender Beschäftigung mit dem Franchise (ist ja beides Square Enix und Crossover) kam dann noch Interesse an der Story auf. Daher sind mir Spielmechaniken wahrscheinlich weniger wichtig, als eine komplexere Story mit runden Charakteren. Obwohl mir FF optisch und storytechnisch zusagt, war das beste RPG von den wenigen, die ich bisher gespielt habe „Xenoblade Chronicles“
    Budis Format kannte ich bisher noch gar nicht, in diesem Sinne: Danke für die Empfehlung!
    Ansonsten: Ein sehr interessanter Artikel, der beim Lesen wie gesagt sehr viele gedankliche Anstoß-Impulse über seine eigene Videospiel-Vergangenheit gibt :)

    • Danke.

      Die Analogstickgeschichte hat leider nichts mit einer Linkshändigkeit, sondern mit meinem Unvermögen im Umgang mit ZWEI Sticks zu tun. Aber klar, Linkshänder sind oft im Nachteil.

      G1 habe ich erst durch RBTV gesehen oder kurz bevor ich den Kanal von RBTV gefunden habe. Damals noch mit dem Teaser, wo Budi aktionsgewaltig aus einer Flasche trinkt. Als wir damals noch Musikfernsehen empfangen konnten, habe ich manchmal hineingezappt, aber konnte halt nicht „mitreden“ und war auch nicht so interessiert. Ich stelle es mir aber toll vor, mit solchen Sendungen aufzuwachsen. Nicht zu vergessen die ganzen Zeitschriften, wie eben die „Game Star“. Ich hoffe, RBTV bringt das ganze auf ein neues Level. Bald kommt ja ein Zwischenbericht zur aktuellen Lage.

      Oh mann, ich habe Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass RPGs normale Spiele sind. Ich hatte mir darunter immer irgendetwas kompliziertes vorgestellt. Da eine Freundin das auch so seltsam erklärte, trug es zur Vorsicht bei.

      • Ja, nachdem MTV zum Pay-TV Sender geworden ist, hat sich G1 ja vollkommen umstrukturiert. Aber dann, kurz nach der 300. Folge wurde die Sendezeit auf 2-mal im Monat halbiert. Da fing man als Fan dann schon an, misstrauisch zu werden… „Game Star“ habe ich leider nie gelesen. Das ist mir dann doch etwas zu Fachsimpelei-mäßig. An G1 habe ich immer diese kleinen Zwischensketche in den Reviews genossen. Das hat dem ganzen Format eine gewisse Einzigartigkeit gegeben, die man so im deutschen Fernsehen vergeblich sucht. Mit RBTV führen sie diese Einzigartigkeit gewissermaßen fort, da ihr Konzept ja schon sehr ungewöhnlich, aber auch gleichzeitig passend für den aktuellen Medienmarkt ist.
        RPGs können schon kompliziert sein. Natürlich wird man vorher durch Tutorials immer gut geschult, aber irgendwie hatte ich schon so das Gefühl bei Xenoblade, dass ich nicht die vollen Möglichkeiten des Spiels ausnutze. Das hängt natürlich auch immer vom Spieltyp ab. Ich sag‘ nur „Looten & Leveln“^^

      • Mit RBTV führen sie diese Einzigartigkeit gewissermaßen fort, da ihr Konzept ja schon sehr ungewöhnlich, aber auch gleichzeitig passend für den aktuellen Medienmarkt ist.

        Mal schauen, wie „Game Plus“ wird. Eine Kopie von G1 wird bzw. soll es nicht wieder geben. Dazu reichen auch die aktuellen Ressourcen nicht. Ein bisschen freakig darf es aber ruhig wieder werden.

        RPGs und Adventures sehen für mich gleich aus. Ich weiß jetzt nur, dass das eine noch unterscheidet, welche Fähigkeiten du hast und manchmal zu einem Brettspiel mutiert. Damit enden meine Kenntnisse aber auch. Vielleicht kannst du mich unterrichten.

        Oh MTV, wie ich dich vermisse… da hätte ich glatt ein neues Thema. ^^“

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