Typen von Mangafans

Wenn es verschiedene Arten von Bloggern gibt, dann natürlich auch unterschiedliche höchstwissenschaftlich erfasste, differenziert kategorisierte und seriös publizierte Mangafantypen.

1. Der Nicht-Fan,
hat eigentlich nur Interesse an Manga oder Anime, weil gerade ein paar populäre Serien im Fernsehen laufen und die ganze Klasse darüber spricht. Eigentlich mag er Fußball.

2. Der reine Animegucker,
hat eine Ahnung davon, wie ein Manga aussieht, beschäftigt sich aber lieber mit Animes. Die Begründung lautet oft ganz einfach: „Keine Zeit.“. Dadurch entgehen dem reinen Animegucker viele Serien, die unter mangelnder Popularität leiden aber nicht unter höherem Anspruch. Die meisten Serien konsumiert er im Internet, im glücklichen Fall auf legalen Streamingseiten. Binge watching ist kein Randphänomen. Zu den Lieblingsgenres gehören vor allem Shounen und Comedy.

3. Der Zeichner,
geht bei einem Manga sehr oft nach dem Visuellen, da er den Stil des Zeichners studieren möchte. Er neigt zu hoher Selbstdisziplin und ist bereit, viel Geld für sein Hobby zu investieren. Durch den bevorzugten Zeichenstil bleibt er bestimmten Zeichnern (bevorzugt aus Japan) oder Genres treu. Außerdem ist er durch das Zeichnen nicht selten in Zeichenzirkeln oder als Künstler auf Messen dabei.

4. Der Japanfan und der Wee-a-boo,
beide Arten beschäftigen sich eher mit dem „großen Ganzen“ hinter dem Manga: Japan. Der Japanfan begeistert sich für die Geschichte und Kultur des Landes und ist manchmal in Japanischkursen oder im Japanologiestudiengang zu finden. Der Einstieg in diese Faszination kam entweder durch Mangaserien oder Kirschblütenfestivals in Düsseldorf. Sein Ziel ist es, eines Tages nach Japan zu reisen und die Kultur im Ganzen kennen zu lernen, also nicht nur den Mangabereich.

Der Weeaboo ist wie der ungeliebte Cousin des Japanfans (und der Schrecken eines echten Japaners). Sein Ziel ist es ebenso, nach Japan zu gehen. Vielmehr interessiert ihn allerdings die Kultur und Identität der Menschen, wie sie in Manga und Animes dargestellt wird. Er ist wesentlich stärker auf Menschen konzentriert und weniger auf Fachliches. Außerdem vertraut er auf Mangajapanisch und wird an Phrasen wie „desu„, „kawaii!!!“ oder „Ich bin Otaku“ erkannt.

5. Der Ecchifan,
nimmt sich besonders erotische Manga und Animes aus dem Sortiment. Er kommt aus diversen Bereichen wie Videospielen, Film(ch)en, Google, etc. Ihn interessiert die offene Zurschaustellung von Reizen und sexuellen Fantasien in japanischen Comics und Zeichentrickserien. Die Geschichte muss dabei nicht besonders gut sein. Er bleibt gewissen Künstlern und Genres treu und ist dazu bereit, viel Geld auszugeben. Bis heute wird das Geschlechterverhältnis auf eine Relation von 50-50 geschätzt. Experten gehen davon aus, dass Konsumenten von Riesenbrüsten und Tentakeln vor allem männlich sind, Produzenten von Yaoi und Inhalten mit Kindern eher weiblich.

6. Der Typ I-Herausgewachsene und der Typ II-Herausgewachsene,
Typ I studiert bereits an einer Hochschule und hat kaum Zeit für Hobbys. Früher beschäftigte er sich gerne mit dem Thema Manga, geht aber vielleicht noch zu kleineren Treffen, um enge Freunde zu sehen. Auch die Profile auf Diskussionsforen und Zeichnerportalen wie deviantart bleiben inaktiv. Manche übernehmen die Einstellung, dass sie zu alt für dieses Hobby geworden sind oder nicht mehr das richtige für sie dabei ist. Vor Außenstehenden geben sie teils unbewusst ein anderes Bild von sich vor, um nicht zugeben zu müssen, dass sie Manga mögen.

Typ II kam erst mit circa 38 Jahren in der Ghibli-Welle dazu. Er macht sich schnell mit bestimmten Konventionen des Manga vertraut, integriert sich auf Conventions, auch als Cosplayer, und kann sich dank seiner erfolgreichen beruflichen Vergangenheit sofort eine Reise nach Japan leisten. Rein äußerlich fällt er vor allem durch herzliches Lachen auf und eine zutiefst positive Aura, die im Dunkeln leuchtet.

7. Der Pro,
kennt die (westliche) Mangaszene seit den 80ern. Werke wie „Akira“ kennt er wie im Schlaf. Diverse Mangaka hat er schon dreimal getroffen. Außerdem hat er als Kind bereits in den 70ern Serien aus Japan geschaut. Über die heutige Entwicklung der Mangaszene freut er sich insgesamt und verfolgt das Geschehen auf Veranstaltungen. Dennoch traut er es sich kaum zu, Vorträge zu halten oder sich zur Schau zu stellen. Vielmehr ist er ein Genießer.

8. Der Sammler,
nimmt wenig Rücksicht auf das eigene Portemonnaie und hält durch diesen Einsatz einige Verlage am Leben. Über Begriffe wie „Otaku“ oder „Nerd“ macht er zynische Bemerkungen und nimmt sich selbst auch gerne mal auf die Schippe. In seiner Wohung befinden sich mindestens 2.000 Mangabände, 1.500 DVDs, 400 Figuren, 24 T-Shirts, 12 Essstäbchen-Sets, 9 Stadtkarten von Tokio und mindestens 1 Kostüm. Sucht ist nicht auszuschließen…

9. Der Hobbyist,
gehört wie der Zeichner zu einer Untergruppe mit einem Spezialinteresse, zum Beispiel Cosplay, Plushies, Kakao Karten oder Sammelkarten. Der finanzielle Einsatz variiert und wird auch von der Aufmerksamkeit der Medien beeinflusst (Ausnahme: Spezialinteresse Games). Anders als der Zeichner bleibt der Hobbyist seinem Spezialinteresse treu, geht aber auch anderen Interessen nach. Dadurch neigt sich der Fokus zeitweise, bis ein anderer ihn auf die Besonderheiten seines Spezialgebiets aufmerksam macht und so wieder das „Feuer der Leidenschaft“ entfacht.

10. Der Anspruchsvolle,
versucht in jedem Manga oder Anime etwas extra Künstlerisches zu finden. Menschen, die gerne interpretieren oder analysieren, ziehen ihn magisch an. Er verbringt Stunden damit, Erwachsenen aus dem Westen zu erklären, worin der Reiz seines Hobbys besteht. Man sollte ihn an dieser Stelle aber nicht mit dem Weeaboo verwechseln, der in der Mangawelt lebt! Außerdem kriegt er einen Riesenhals, wenn bestimmte japanische Begriffe anders geschrieben oder ausgesprochen werden als er es gewohnt ist. Nicht selten arbeitet er bei einem Verlag oder im Handel. Vielmehr liest er häufig Romane, schaut schwierige Filme und beißt sich auf die Lippen, weil er keine Manga findet, die einen ähnlich hohen Anspruch haben. Anstatt Manga an sich zu akzeptieren, besteht seine Lebensaufgabe im Finden von Anerkennung von außen.

Zehn sind mir genug. Kennst aber du weitere Arten von Mangafans?

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7 Gedanken zu “Typen von Mangafans

  1. O la la :) Sehr lustig. Das einzige was mir noch nicht in der Welt da draußen begegnet ist, ist der Typ II-Herangewachsene. Aber der Spruch mit der Aura war zu geil – erinnert mich in anderer Hinsicht an einen sehr von sich selbst überzeugten Arbeitskollegen XD

    Wo ordnest du dich ein?
    Ich bin glaube ich Typ „Zeichner“, vielleicht auch Typ „die Anspruchsvolle“ – wobei ich mich gerade ernsthaft frage, ob ich auch so verbissen bin XD Hoffentlich nicht. Muss ich mal drauf achten.

    • Typ II habe ich bisher leider auch nur in Dokus über andere Conventions gesehen. Aber es gibt tatsächlich sogar Cosplayer, die erst mit 40 zur Mangaszene hinzustoßen und ich finde sie großartig! Allerdings wirken sie, zumindest in diesen Dokus, tatsächlich immer etwas „verstrahlt“. Aber ich habe ja noch weitere Typen, wo ich ein bisschen mehr darauf eingehen wollte. Kommt vielleicht später mal.

      Na ja, bei mir ist es recht eindeutig: No. 10 (ist eigentlich biografisch… ^^“ komme ja mit dem Blog immer noch net voran… *heul* )

  2. Auch Typ 10. Ich gebe mich nicht mehr mit Mainstream und seichter Unterhaltung zufrieden, sondern bin ständig auf der Suche nach etwas nie dagewesenem. Hast es gut auf den Punkt gebracht

  3. Gerade eben, als ich noch darüber nachdachte, was einen „Otaku“ im Detail ausmacht und was jüngere Mangafans für Außenstehende teilweise empfehlen, kam „College Humor“ mit diesem Clip.

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