„Die Legende der Prinzessin Kaguya“ (2013): Japans ältestes Märchen aus dem Studio Ghibli

„Die Legende der Prinzessin Kaguya“

Prinzessin Kaguya
Es geht um sie: Kleiner Bambus alias Prinzessin Kaguya | © Generación GHIBLI auf Twitter

Man sagt, es sei die älteste Erzählung Japans. In Studio Ghiblis aktuellem Kinofilm „Die Legende der Prinzessin Kaguya“ (2013/14), lädt Isao Takahata zu einer Reise ins alte Japan ein. Mit traditionellem Zeichenhandwerk und schönen Melodien, erzählt der Film die Geschichte der wohl bekanntesten Mondfrau auf der Erde.

Der Film enthält: Bauern, Naturidylle, 5 seltsame Adelige, Magie, ein Grundstück, quälende Fristen, Bambus, viele Kimonos

Die Legende einer Prinzessin vom Mond kennt einige internationale Versionen. Die japanische Erzählung „Taketori Monogatari“ (Die Erzählung vom Mann, der Bambus schneidet) stammt schätzungsweise aus dem 9. Jahrhundert und war Vorlage für viele weitere Geschichten. So beruht in „Sailor Moon“ die Idee von einer Mondprinzessin, die auf die Erde geht, sicherlich auch auf Prinzessin Kaguya.

Handlung:  Im Wald findet der alte Bauer Okina im Stamm eines Bambus eine handgroße Frau. Ohne mit ihr reden zu können, nimmt er sie nach Hause. Als plötzlich aus ihr ein Baby wird, beschließen er und seine Ehefrau, das Kind zu behalten und nennen es seitdem „Kleiner Bambus“. Kleiner Bambus wächst schneller als die anderen Kinder und nachdem Okina weitere Dinge im Bambus findet, glaubt er an einen Auftrag vom Himmel, aus ihr eine Prinzessin machen zu sollen. Er lässt die Familie in ein großes Haus in der Hauptstadt ziehen und beauftragt eine Edeldame mit der Erziehung von Kleiner Bambus. Doch Kleiner Bambus, die später Prinzessin Kaguya getauft wird, fühlt sich in der Welt der Adeligen unwohl und boykottiert gegen alles und jeden. Bis sie eines Tages eine schlechte Nachricht vom Mond bekommt. (FSK: 0)

Was „Prinzessin Kaguya“ so speziell macht

Studio Ghibli hat eine bunte Mischung an männlichen und weiblichen Protagonisten. Dieses Mal ist die Hauptfigur wieder weiblich. Kaguya ist anfänglich ein freies, unbeschwertes Mädchen mit vielen Talenten und Interessen. Nicht nur ihr unmenschlich schnelles Wachstum ist Sinnbild für ihre Fähigkeiten. Sie ist gütig, neugierig und unerschrocken. Als sie in den Kreis der Adeligen und Edeldamen aufgenommen werden soll, inklusive Zähne schwarz schminken und Augenbrauen wegzupfen, wird es für sie kritisch. Soll sie so bleiben, wie sie ist oder für ihren Vater die Rolle einer feinen Dame einnehmen? Zeitlich findet der Bruch etwa in ihrer Pubertät statt. Sie erklärt sich zu einer Haarzeremonie bereit, um von den Adeligen anerkannt zu werden. Doch Prinzessin Kaguya wäre nicht Prinzessin Kaguya, wenn sie eigentlich Kleiner Bambus ist. So findet sie Wege, Leuten vom hohen Stand die Meinung zu sagen oder sogar angesehene Freier abzuwimmeln. Der Kaiser hat auch keine Chance bei ihr und die ulkige Gouvernante hat sowieso nichts zu sagen. Ghiblis Kaguya ist wie im Original nicht nur hübsch, sondern auch tough und intelligent.

Durch das Alter der Erzählung erfahren westliche Zuschauer eine Menge über alte japanische Bräuche. Im Film sieht man nicht nur sehr viel zum Leben der damaligen Bauern und Adeligen, sondern erhält mal so nebenbei das 1×1 der Edeldamenkunde. Kaguyas Gouvernante, eine Dame vom Hof, soll aus Kleiner Bambus Prinzessinenmaterial machen. In kleineren Episoden lernen wir das anmutige Kotospiel, wie wir ganz traditionell aufstehen oder dass wir uns einem Freier niemals direkt zeigen. Die damalige Kleidung ist ein Thema für sich, im Film aber auch für die Männer. Leider erfährt man wenig über konkrete Orte, zum Beispiel, um welche der japanischen Hauptstädte es sich hier handelt. Wer sich für Japan interessiert, kommt dennoch auf seine Kosten.

Künstlerische Machart

Der Zeichenstil erinnert leicht an den Ghibli-Vorgänger „Meine Nachbarn, die Yamadas“ (1999/05). Zwar bleiben die Gesichter eher ghiblihaft, doch gibt es viele Pastelltöne, Bleistiftstriche und runde Köpfe, die man auch schon bei den Yamadas gesehen hat. Die Edeldamen könnten mit den reduzierten Strichen wiederum aus einer alten Bildrolle stammen. Jede Szene zeigt, wie die meist hellen Wassserfarben aufs Papier gebracht wurden und an manchen Stellen mit einem Stift nachgezeichnet wurde. Trotzdem ist die Animation flüssig und typisch für Ghibli.

Kleiner Bambus als Baby
Kleiner Bambus lernt laufen: Mit einfachen Strichen und wässrigen Farben entsteht Szene für Szene | © Pressefoto 9, ghibliworld.de

Das Singen von Liedern ist ein alter Zeitvertreib unter den Bauernkindern. Es gibt ein besonderes Lied, an das sich Kaguya nach und nach erinnert. Sie singt es anfangs nur mit den ersten Zeilen, später kann sie es auf der Koto spielen und es dann vollständig zu Ende singen. Im Film wird Musik sparsam eingesetzt. Man konzentriert sich eher auf die Lieder der Menschen. Keine atmosphärische Fillmmusik, sondern Musik im Film bezaubert. Kaguyas Lied handelt, wie sollte es anders sein, von der Verbundenheit mit der Natur. Sie könnte auch ein außerirdischer Hippie sein.

Im Film kann man Kaguyas körperliche Entwicklung von Anfang bis zum Ende der Pubertät miterleben. Ob sie wieder ein Stück gewachsen ist, erfordert Aufmerksamkeit. Wenn sie ihren Körper verlässt oder Visionen hat, scheint die erzählte Zeit schneller zu vergehen. Wie viele Jahre tatsächlich vergehen, ist schwer abzuschätzen. Die Geschichte könnte auch innerhalb von wenigen Monaten spielen. Tatsächlich vergehen Jahre. Als fünf Freier auftauchen und von Kaguya auf eine unmögliche Mission geschickt werden, werden auch die Geschichten der Freier im einzelnen verfolgt. Es ist als würden innerhalb des Märchens weitere Märchen existieren. Dadurch zieht sich der Film in der Mitte ein wenig in die Länge.

Meinung und Fazit: Endlich mal wieder ein guter Ghiblifilm! Der Anfang des Films war nicht nur süß, sondern auch ein Wohlfühlmoment. Ich war wirklich enthusiastisch. Leider ziehen sich die Erzählungen der fünf Freier ein wenig, wohingegen das Ende recht prompt kommt. Bis zum Schluss wird nicht verraten, ob sie eigentlich wirklich eine Prinzessin oder in Sutemaru verliebt ist. Dafür hat der Film aber viele Pluspunkte in seiner Art zu erzählen und einen in den Bann des alten Japans zu ziehen. Trotz einiger schwacher Figuren, die sie ja gar nicht herausfordern, und ihrer langen depressiven Phase, bleibt Kaguya eine starke Persönlichkeit mit Vorbildcharakter und deswegen erst recht empfehlenswert für die jüngeren unter uns.

Für wen? Familien mit Kindern, die viel oder noch keine Erfahrung mit japanischen Filmen haben; emanzipierte Mädchen und alle, die neugierig auf Japan sind

Otaku Stoff Wer lebt auf dem Mond?
Nationalität: Mond. So wäre es wohl auch bei Prinzessin Serenety („Sailor Moon“), Kaguya („InuYasha – The castle beyond the looking glass“),  Sakuras Oma („Prinzessn Sakura“), Hamura („Naruto Shipuuden“) oder Kaguya und den Kindern („Kaguya Hime – The Moon Princess“).
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