Fleisch zu Weihnachten

Gerade eben habe ich das allererste Mal vom sogenannten Streich mit dem „schwangeren Truthahn“ gehört (pregnant turkey prank). Oder besser gesagt: „Truthenne“. Im Internet gibt es Videos von Eltern, die zu Thanksgiving in die Truthähne einen weiteren Vogel stopfen und mitbacken. Die Kinder werden zum Zerlegen gerufen und müssen mit Grauen erfahren, dass der Vogel ein Baby im Bauch hatte. Ohne Kopf oder Federn. Bis den Kindern der Schock vergeht und ihnen wieder einfällt, dass Truthähne Vögel sind, dauert es und führt zu lautem Gelächter. An dieser Stelle wird ihnen für kurze Zeit bewusst, dass sie tote Tiere essen. Applaus!

Nicht falsch verstehen, ich bin kein militanter Vegetarier. Eher bin ich zu schwach. Es gab kein Weihnachten bisher ohne Fleisch. Entweder essen wir Geflügel, jedes Jahr ein Stück größer, oder Fisch, jedes Jahr ein bissl teurer. Das wurmt mich seit Ewigkeiten! Dabei sind wir eine umweltbewusste Familie.  Als ich die Videos mit den Truthähnen gesehen habe, wurde mir schon schlecht. Ich kann Fleisch essen. Ich mag Fisch essen. Allerdings kommt mir das Faserzeugs schon aus den Ohren heraus. Jede Bitte, an Weihnachten auf Fleisch zu verzichten, wurde bisher abgeschmettert. Dieses Jahr soll es schon wieder Pute geben. Richtig, einen Truthahn. Oder besser: eine domestizierte Truthenne.

Beim Wandern bin ich manchmal auf dem Land. Einmal sah ich mit meiner Gruppe ein Haus in einer Gartensiedlung. Dort gab es im Vorgarten eine kleine Umzäunung mit etwa 9 Enten. Eine Wanderin machte darauf aufmerksam, dass diese zum Verkauf freigegeben werden. Wir alle rätselten, was es mit diesem Zaun auf sich hatte. Denn die Enten hatten schmutziges Gefieder und gerade einmal zwei Schritte Platz. Es passte vor allem nicht in die Gegend. Nach diesem Erlebnis bekam ich ein schlechtes Gewissen.

Das war aber vergessen, als ich vor kurzem bei einem Trip in ein Restaurant musste und vergeblich nach etwas nicht-fleischlichem suchte! Dieses Restaurant hatte höchstens Salat, Eis und Wasser, auf das ich hätte ausweichen können. So schlimm kannte ich das seit Jahren nicht mehr. Ich fühlte mich plötzlich wie meine vegan lebenden Bekannten, die selbst in Prenzl Berg noch oft genug eine Beilage essen mussten, um nicht zu verhungern. Die Krönung war, dass ich einen kleinen Teller bestellt hatte und eine fast größere Portion als die anderen bekam. Auf dem Teller gab es nur Fleisch und ich futterte mich mit Geduld durch. Alles, woran ich mich erinnere, ist das Fleisch…

hofft, dass sie sich dieses Weihnachten durchsetzen kann
a|fiction|esse

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