Wie Serien-Soundtracks Magie in mir auslösten… [Medienbio #2]

Ich hab’s echt mit Geräuschen! Wenn ich verreise, nehme ich Soundkulissen der Umgebung auf. Eine Zeit lang fing ich unbewusst an, zu b-b-beatboxen. Klänge sind faszinierend. Musik war aber nie mein großes Bedürfnis. Keine Ahnung, wieso. Musik höre ich heute nur aus Stress. Eine Ausnahme bilden jedoch Soundtracks. Seriensoundtracks ganz besonders.

Erster Soundtrack?
Da war ich noch im Kindergarten. Abgesehen von Hörspielen auf Schallplatte und später auf Kassette, sind die TV-Kinderserien natürlich die erste Erfahrung mit Soundtracks gewesen. Ich war schon früh ein TV-Junkie und meine, dass die „Teenage Mutant Ninja Turtles“ mit dem Introlied von Frank Zander ein wichtiger Soundtrack waren. Die ersten Sekunden sind entscheidend. Bei diesem Intro hat man echt alles richtig gemacht: Gitarre am Anfang, die Motorstimme von Frank Zander, ein monotoner Refrain zum Mitsingen und ganz viel Energie. Für Eltern natürlich etwas nervig, aber interessiert uns Kinder ja nicht. Meine Lieblingszeile war: „Die Turtlejungs machen niemals schlapp!“. Wenigstens hat man turtle so gelassen, wie es auf englisch war. Noch besser war jedoch das „Yeah!“ aus dem Hintergrund. Ich bin ja ein Kind der 90er und fand die damalige Werbung dementsprechend normal. Im Werbeblock musste so ein „Yeah!“ mindestens 10x hinein.

Oh mann, R.I.P. Ninja Turtles…

Samstags gab es immer besonders viel Fernsehen. Ich schaute den „Micky Maus Club„, bei dem später zwei Moderatoren tatsächlich behaupteten, er hieße jetzt „Tigerenten Club„. Die vielen dort gezeigten Serien interessierten mich natürlich auch musikalisch. Ich erinnere mich an ein Intro der Serie „Round the Twists“ (D: „Twist total – Eine australische Familie legt los“). Das Lied fühlt sich ebenso wie die Geschichte noch heute sehr ungewöhnlich für eine Kinderserie an. Es baut sich mit einem mehrstimmigen Chor immer weiter auf. Kaum Variation, eher ständige Anspannung. Allerdings klang es einfach sau gut und ich suchte noch Jahre später nach dem Intro. Obwohl die Serie international erfolgreich verkauft wurde, kennen sie scheinbar doch nicht so viele. Na ja, sie ist auch etwas speziell. Habt ihr jemals von den Twists gehört?

Spaghetti Twist Total
„Twist total“ – Frag nicht, wie es geschah! Frag lieber, was es in Port Niranda nicht gibt! | © ACTF Australia

Kinderserien gab es viele, die ich toll fand. Klar freute ich mich, wenn ich schon die Anfangsmelodie auf Kassette oder im Fernsehen hörte. Damals freute ich mich schon über kleine Highlights. Zum Beispiel fand ich das Jodeln in „Heidi“ oder das sehr kurze Gitarrensolo in „Neues vom Süderhof“ wahnsinnig aufregend. Gitarren sind ja eh mein Ding… Damals gab es aber so eine Phase, in der Musik für Kinder extrem kommerzialisiert wurde. Wie gesagt, ich war ein Kind der 90er. Es fing unschuldig an mit Rolf Zuckowskis „Vogelhochzeit“. Dann kamen Werbespots mit Muss-kaufen-!!!. Und dann… erreichten uns „Die Schlümpfe“-Hits. Englische Musik in deutscher Version. Mit der typischen Tonlage der Schlümpfe. Da endete es für mich. Ungefähr da fing ich an, BRAVO zu lesen und zappte immer häufiger zu diesen neuen Serien im Fernsehen… diesen Animes…

Extrakapitel Anime
Mitte bis Ende der Grundschulzeit kamen die Animes (Anime = jap. Zeichentrick) zum ersten Mal in mein Bewusstsein. Die ersten Soundtracks auf CD, die ich jemals hörte, waren zum Thema Anime! Kennt noch jemand „Anime Hits @ RTL II“ oder die „Anime Nation“? Wir, Jungens und Mädels, konnten damals alle das Intro von „Mila Superstar“. Die deutschen Introlieder der Animes waren okay. Oftmals besser als die japanischen Originale, wie ich finde, aber es war oft immer noch viel zu aufgeregt. Im Grunde war es Schlagermusik, nur in schnell. Da bevorzugte ich schon einige Lieder aus dem Abspann. Das Technogedöns von „Sailor Moon“ war immer ein Dreck gegen das Outro und wer „Zenkai Power“ (aus „Dragonball Z“) nicht kennt, der hat sowieso etwas verpasst!

Intros gefielen mir natürlich auch. Das indisch angehauchte „My Golden Boy“ der Computer Jockeys (aus „Golden Boy“), der Jazzklassiker „Tank!“ der Seatbelts (aus „Cowboy Bebop“) und „People“ der Gruppe Dax Riders (aus „Vision of Escaflowne“). Das war ein ganz anderes Level! Dagegen verblassten natürlich die ’normalen‘ Animelieder. Ein wichtiger Klassiker unter den ’normalen‘ Animeintros ist „Die Legende“ aus der Serie „One Piece“, was mir instrumental besser gefällt. Das Intro „Ich werde da sein“ von „Digimon“ gehört auch zu den besonderen Intros. Hätten sie nur andere Instrumente genommen… „Yu Gi Oh!“ hat mich leider nach den ersten Folgen furchtbar enttäuscht. Wenn ich die Musik höre, erinnere ich mich aber an die Gänsehaut, die ich beim Lesen des ersten Mangas hatte. Nicht zu vergessen wäre da ja noch, weswegen Yugi auf Yami Yugi traf und wie sich diese orientalische Geschichte im Introlied widerspiegelte.

Nujabes
Nujabes brachte den Hip Hop zu den alten Samurai |
© Wikipedia

Im japanischen Original wurde einiges umso interessanter. Bis heute mag ich zwar keine asiatische Musik, aber der Soundtrack von „Vampire Princess Miyo“ funktioniert wahrscheinlich nur auf japanisch. Sehr traditionell, sehr bewegend.
Faszinierend war auch, wie gut Hip Hop und traditionelle japanische Musik in „Samurai Champloo“ miteinander vereinbar waren. Diese Serie um drei Reisende im Samuraizeitalter würde für mich auch ohne Geschichte funktionieren. Die Geschichte und der komplette Soundtrack sind sich aber in Sachen Unterhaltung ebenbürtig. Nicht nur die Musik im Intro war gut, sondern dank Musikern wie dem leider früh verstorbenen Nujabes in jeder Folge.

Die Sachen für die älteren
Noch heute habe ich das skalastige Intro „Boss of me“ (aus „Malcolm mittendrin“) im Kopf. Wie sehr ich mich damals gefreut hatte, dass ich die ersten Zeilen des Liedes verstehe: „Yes. No. Maybe. I don’t know.“. Ebenso konnte ich „I’ll be there for you“ verstehen im Intro von „Friends“, „humble folks without temptations“ im Intro von „South Park“ und „I can’t do this all on my own“ im Intro zu „Scrubs“. Allerdings nie das von „St. Tropez„.

Die Serien, die ich in der Oberschule sah, waren für ältere Jugendliche und Erwachsene. Musikalisch eine heftige ‚Verbesserung‘. Ich sage nur „Six feet Under“. Eine der genialsten Serien mit einem gebührenden Anfangslied. Ein klassisches Stück, das langsam beginnt. Da steckt visuell ein bisschen Trauer, musikalisch aber doch schon viel Sarkasmus drin. Herrlich!

Intro von „Six Feet Under“ | © Mokamour.com, „Danny Yount – Six Feet Under (Opening)“, 29.12.2009

A pro pos sarkastisch und genial: Das „Daria“-Intro von Splendora ist an dieser Stelle genauso zu erwähnen. Der nicht-genervte Blick von Daria, einer hochbegabten und unverstandenen Highschool-Schülerin, konnte in der Musik gut eingefangen werden. Es klingt vor allem nach dem guten alten MTV. Wie gesagt, 90er Jahre. Zumindest hörte man keine Lieder von ihrem Bekannten Trent und seiner Band „Mystik Spiral“ (der Name, den sie nicht mochten).

Heute vermeide ich es, Serien zu sehen. Denn ich schaue nichts mehr im Fernsehen, sondern nur noch im Internet. Da sind die meisten Dinge erstens illegal hochgeladen, zweitens ist das Risiko zu hoch, dass ich wieder und wieder Dinge aufschiebe. Also höre ich manche Soundtracks nur, ohne die Serien zu sehen. Sehr gut gefallen mir die Anfänge der Intros zu „Game of Thrones“ und „Doctor Who“ (9. Doktor). Beim ersten werde ich allerdings irgendwann schläfrig und das andere verliert nach dem kraftvollen Beam die Energie. Ich habe manchmal das Gefühl, es geht heute eher in die instrumentale Ecke. Vielleicht nicht einmal schlecht. Es kann natürlich wie im Fall von „Charmed“ schade sein. Der Text, im Original „How soon is now“ von den Smiths, ist ziemlich interessant. Gutes Instrumentalwerk gab es aber beispielsweise im „Stargate“-Intro mit dem Originalteam SG1. Wie im Film spielte hierbei das Orchester eine kleine Sinfonie.

Seriensoundtracks sind echt unterschiedlich und kurz. Es gibt wenige Serien, die im Verlauf der Folgen interessante Musik hatten. Viele Lieder machen noch heute automatisch gute Laune, manches ist immer noch grausig. Bleiben also viele nostalgische Eindrücke. Auch zum Gruseln.

Diesmal echt nostalgisch…
a|fictione|esse

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5 Gedanken zu “Wie Serien-Soundtracks Magie in mir auslösten… [Medienbio #2]

      • Na das kann ich auch gut nachvollziehen – deutsche Songs hatten lange Zeit für mich einen Beigeschmack von Schlager ala Stefanie Hertel und so. Ist heute nicht mehr unbedingt so.
        Aber gerade die aus Golden Boy und Escaflowne waren ja englisch. Ich fand aber auch den von Lady Oscar nicht schlecht.

      • Schlager ist definitiv die Richtung, an die ich denken muss. Ich sage nur: Wedding Peach! („Liebe ist wie ein Traum“)

        Ja, das Intro zu „Lady Oscar“ ist gut geworden. Wobei dieser Text und die Stimme hart an der Grenze sind. Aber sowas von! XD

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