Augen auf bei der Reparatur

Mein Laptop ist ein altes Ding. Es ist 6 Jahre alt.

Leider ging mein Plan nicht auf. Mein Laptop hatte einige Zeit gesponnen. Nicht dramatisch, aber es kam zu hartnäckigen kleinen Systemfehlern. Dann war da ja noch der Virus. Irgendwann, nach etwa einem halben Jahr der Toleranz, brachte ich ihn endlich zur Reparatur. Technik muss man nicht kaufen, man kann sie auch reparieren. Gut, der Laptop hatte leichte Software-Probleme. Was soll das ganze dann? Aber mal ehrlich, schon allein der Umwelt zuliebe lohnt sich das Reparieren.

Zur Reparatur habe ich mir den nächst besten Serviceladen für Computer ausgesucht. Das war ein Fehler. Normalerweise recherchiere ich sehr genau, wohin ich Dinge zur Reparatur gebe, wenn ich zum Arzt gehe, teure Sachen kaufe, usw. Ich war zweimal dort zum Vorgespräch. Also, weil ich jedes Mal unvorbereitet war. Jedes Mal hatte ich beim Hinausgehen ein Nicht-Gefühl. Ein Nicht-Gefühl ist eigentlich neutral. Allerdings bin ich sowas von wählerisch und anspruchsvoll beim Einkaufen, dass ich immer mit einem richtigen Gefühl hinausgehe.

Dennoch sicherte ich meine Daten und gab den Laptop beim dritten Mal ab.

Scheiße.

Dieses Gerät, an dem ich jetzt sitze und auf dem ich unter anderem die Beiträge für den Blog schreibe, ist mir eigentlich schon ans Herz gewachsen. Ein bisschen zu sehr, während des Studiums. Es so leicht abgeben zu können, hat mich gewundert. Jedoch hatte ich ein intaktes Gerät abgegeben. Beim Abholen stellte ich äußerlich keine Mängel fest und habe es so unterschrieben. Darum steht es im Vertrag genau so drin: „konnte äußerlich keine Mängel feststellen“. Es ging ja auch lediglich um das Betriebsystem, das ich sorgfältig ausgewählt hatte. Zu Hause angestellt, kamen Schwierigkeiten. Es gab plötzlich  Probleme, die es vorher nicht gab.

Einerseits war ich noch erfreut dabei, meine Unabhängigkeit vom Laptop zu erkunden. Drei Tage ohne war gar keine harte Zeit und ich bin sicher, dass es auch eine gesündere Zeit war. Auf der anderen Seite stürzte das gute Ding immer wieder ab. Über einen Internetpost kam die Idee, dass der Laptop bei der Reparatur beschädigt wurde. Ein erneuter Besuch im Laden verunsicherte mich. Man fand mich nicht einmal in der Datenbank.

Ich wollte nicht mehr zurück gehen, bis sich mein Laptop einmischte und etwas „explodierte“. Also, nach etwa 2 Stunden fand ich heraus, dass deswegen unsere Steckdosen aufhörten, zu arbeiten.

Nach einer Weile raffte ich mich dazu auf, ihnen noch einmal zu vertrauen. Ich ging also zur Reparatur und gab den Laptop erneut ab. Entgeltfrei. Mittlerweile entwickelte ich im Kopf schon regelrechte Szenarien, wie ich es taufen würde (Harry, ist doch klar!) und wie ich dem Servicemitarbeiter erzählen würde, wie wichtig mir der Laptop ist und dass ich standhaft bleiben müsse, um kein Geld für neue Elektronik auszugeben, sondern um der Natur helfen zu können und Geld zu sparen und den Konzernen ein Strich durch die Rechnung zu machen und den Kindern in Westafrika Zeit zum Spielen ermögliche, weil ja dann vielleicht kein Geld durch die Demontage des Elektroschrotts da ist, aber eben potentiell mehr Zeit für ihre Kindheit und dann auch weniger Geld zirkuliert, wofür man im übrigen Wasser zur Herstellung der Scheine braucht, eine Menge Wasser. Der Mitarbeiter von diesem Mal wirkte deutlich kompetenter als die anderen. Er war auch ein Nerd wie die anderen – bin nur ehrlich – aber einer aus der Metalecke. Ich hatte plötzlich wieder vollstes Vertrauen. Besonders, als dieser Kollege die Fehler des anderen Kollegen entblöste und ihn sogar nach vorne rief. Der aber kam nicht. Wohl mit Absicht.

Beim zweiten Mal wurde mir versichert, dass alle Fehler entdeckt und behoben wurden. Wieder unterschrieb ich einen Vertrag mit „konnte äußerlich keine Mängel feststellen“. Man machte mich freundlicherweise auf ein Missgeschick aufmerksam. Mein Laptop hat jetzt eine eingedrückte Stelle. Als ich das Gerät zu Hause wieder ausprobierte, entdeckte ich, dass tatsächlich etwas neu gemacht wurde. Dann die „Überraschung“, die Fehler waren exakt dieselben. Das letzte Gespräch mit diesen Leuten verlief am Telefon.

Nun habe ich ein Gerät, dass vor der Reparatur vollkommen intakt war und jetzt sowohl mit der Software und mit der Hardware Probleme hat. Ich habe das Vertrauen in diesen Laden komplett verloren und habe nicht einmal die Energie, mich zu beschweren. Mein Wille ist gebrochen. Oder um meinen Onkel zu zitieren: „Verabschiede dich schon mal von dem Ding!“.

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3 Gedanken zu “Augen auf bei der Reparatur

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