Sailor Moon Mondstab

Sailor Moon (’92-’97) – Das etwas andere „Power Rangers für Mädchen“

Die Mutter aller Majokko-Animes: „Schöne Mädchenkriegerin Sailor Moon“

Sailor Moon Pose Sailor Moon | © anime2you.de

Kaum eine andere Serie erreichte in Sachen Manga für Mädchen dieselbe Popularität wie „Sailor Moon“. Trotz ihrer teils trashigen, unkreativen und anrüchigen Elemente, steht die japanische Serie um eine Gefolgschaft aus jugendlichen Kriegerinnen, die gegen „das Böse“ kämpfen, für Erfolg und Beliebtheit. Die Serie lief erfolgreich auf internationalen Fernsehkanälen und bedeutete für viele weibliche als auch männliche Fans den Einstieg in die Mangaszene. Nun wird die Geschichte neu aufgelegt.

Die Serie enthält: eigenwillige Mädchen, Witz, Verwandlungen, Freundschaft, Astrologie, Kämpfe, Neo-Tokio, Matrosenkleider, sprechende Katzen

Alles auf Anfang: Naoko, Majokko, Bunny Tsukino

Die Geschichte stammt von der Chemikerin und Pharmazeutin Naoko Takeuchi (*1967), die als Mangazeichnerin 1985 ihr professionelles Debüt machte. Einige ihrer Werke wurden schon früh ausgezeichnet. Die Arbeit für den renommierten Verlag Kodansha ließ auch nicht lange auf sich warten. Ihr Fokus lag auf Manga für Mädchen (Shoujo Manga). Anfang der 90er Jahre veröffentlichte sie die Mangaserie „Code Name: Sailor V“ (1991-1997).  Der Stil dieser Serie und die Geschichte flossen schließlich in eine neue Serie ein, für die Takeuchi berühmt wurde: „Bishoujo Senshi Sera Mun“ oder auch „Sailor Moon“ (1992-1997). Dabei wurden die Charaktere auch von Menschen aus ihrer Umgebung und eigenen Erlebnissen beeinflusst. Als Zeichentrickserie wurde „Sailor Moon“ eines der Aushängeschilder des Studio Toei Animation („Dragonball“, „Slam Dunk“, „One Piece“).

„Sailor Moon“ gehört zum Genre Majokko oder Magical Girl, also den Geschichten um Mädchen mit magischen Kräften. Es ist ein besonderes Genre innerhalb des Shoujo- und Fantasy-Genres. Die Serie ist in Japan nicht die erste Majokko-Geschichte, ebnete aber Nachfolgern wie „Wedding Peach“, „Cardcaptor Sakura“ und „DoReMi“ den Weg. Der Zeichenstil ist anmutig und feminin. In den Geschichten geht es neben der Magie auch um den Alltag von Mädchen und um die Suche nach der großen Liebe und Geborgenheit. Die Botschaft an Mädchen: Alltagsprobleme löst man nicht durch Magie.

Handlung. In Tokio lebt die tollpatschige und weinerliche Schülerin Bunny Tsukino. Sie ist schlecht in der Schule und kommt ständig zu spät. Eines Tages rettet sie eine Katze mit einer mondsichelförmigen Färbung auf der Stirn. Zu Hause angekommen taucht die Katze, Luna, plötzlich wieder auf und beginnt sogar zu sprechen. Ehe Bunny das verdauen kann, erzählt ihr die mysteriöse Katze von angeblich besonderen Fähigkeiten in ihr. Sie soll sogar die Prinzessin des Mondes finden, da die Erde in Gefahr sei. Als Bunny von ebenso mysteriösen Kreaturen angegriffen wird und mit Lunas Hilfe ihre magischen Kräfte entdeckt, nimmt sie den Auftrag an. Wenn auch widerwillig. Mit Erleichterung stellt sie bald fest, dass es ganz in ihrer Nähe mehr Mädchen wie sie gibt. Schon bald ist sie umgeben von Sailor Merkur (Amy), Sailor Mars (Rei), Sailor Jupiter (Makoto) und der bekannten Sailor V alias Sailor Venus (Minako). Außerdem kommt ihnen im Kampf gegen das Böse der interessante Unbekannte Tuxedo Mask zur Hilfe, dessen Ziele anfangs unklar sind. Es tauchen ständig neue Gegner und Konkurrenten auf, bis sie hinter die letzten Geheimnisse des Mondkönigreiches kommen. (FSK:12)

Insgesamt veröffentlichte Takeuchi 18 Bände für den Manga. Es gibt fünf Staffeln für die Fernsehserie mit jeweils mehr als 30 Folgen. Man kann der Geschichte folgen, auch wenn man Folgen verpasst hat. In Deutschland wurde die Serie erstmals 1995 auf ZDF gezeigt. Danach folgten Spin off-Serien, Kinofilme, Computerspiele, Musicals und eine Realserie. Für 2014 wurde eine Neuauflage der Serie angekündigt.

Warum „Sailor Moon“ so speziell ist

Charakteristisch für die Serie ist als erstes der ausgeprägte Humor. Die Protagonistin Bunny spielt durchgehend die wichtigste Rolle. Sowohl als Kriegerin als auch später im Königreich des Mondes und als Mutter. Dennoch mangelt es ihr an Kompetenz und Souveränität, wenn sie gegen Gegner antritt und Alltagsprobleme bewältigen soll. Mamoru, anfänglich nur ein beiläufiger Bekannter, macht sich ständig über ihre schlechten Noten lustig. Andere müssen sie beschützen, weil es eben jeder besser kann als sie. Schließlich lässt sie die Mission immer wieder zusammenbrechen.

       Kampf in der engen Gasse Folge 31 Bunny und Rei streiten sich
Lieber Situationskomik als Running Gags: Der Kampf in der engen Gasse (l.). Zankereien zwischen Bunny und der reiferen Rei (r.) sind hingegen Standard.

Bunny ist ein ungezügeltes Kind. Gerne streitet sie sich mit ihrer Freundin Rei und ihrem Bruder Shingo. Sie erkennt oft die Dimensionen ihres Handelns nicht. Takeuchi beweist mit diesem Hauptcharakter eine Menge Mut! Doch auch den anderen Figuren geschehen gelegentlich Missgeschicke oder sie nehmen gewisse Dinge persönlich, z.B. das  Hinweisen auf ihr Single Dasein. Selbst die Bösewichte stehen desöfteren ratlos vor den Kriegerinnen und müssen warten, bis sich diese gesammelt haben. Es ist ein Schrei- und Situationshumor, wie er für viele Manga und Animes typisch ist. Man muss jedoch zugeben, dass er sehr gut umgesetzt ist.

Besonders ist auch der erstaunlich offene, manchmal fragwürdige Umgang mit der Sexualität. Die Figuren sind auf der Mittel- und Oberschule (also minderjährig) und tragen nach ihren Verwandlungen zu den Kriegerinnen kurze Röcke. Die Kürze der Röcke wirft die Frage auf, wie die Mädchen darin überhaupt kämpfen können, ohne ständig ihre Unterwäsche zu zeigen. Die Verwandlungen selbst sind auch recht spektakulär. In jeder Folge gibt es lange Verwandlungssequenzen, in denen die Schülerinnen nackt sind und erst dann ihre charakteristischen Kampfoutfits angezogen bekommen. Sehr selten vorkommende Badeszenen der Mädchen wurden in einigen Versionen zensiert.

Die Beziehung zwischen Bunny (14) und Mamoru, einem Studenten, verläuft sehr platonisch. Während der Serie ist höchstens ein Kuss zu sehen. Ansonsten verbringen die zwei unschuldige Ausflüge miteinander. Auch die anderen Mädchen führen Beziehungen nur platonisch. Als ein Mädchen aus der Zukunft in das Leben der Freunde tritt und sich herausstellt, dass es die Tochter von Bunny und Mamoru ist, gibt es von Seiten der anderen sogar Zurechtweisung. Mamoru entspricht dem Ideal eines fürsorglichen, empathischen Mannes. Takeuchi soll ihn als romantischen Traummann sehen.

Viel mehr Aufsehen erregten die Beziehungen der außenstehenden Figuren. In der Serie gibt es schwule, lesbische und praktisch transsexuelle Figuren. In der Umsetzung der Synchronisation und Übersetzung entschieden sich einige Länder dafür, darunter auch Deutschland, diese Aspekte abzuwandeln. So bekam der Bösewicht Zoisite, der für eine männliche Figur sehr weiblich gezeichnet ist und mit seinem Kollegen liebäugelte, gleich zu Anfang eine weibliche Stimme. Im japanischen Original ist er ein Mann. Aus der Beziehung zwischen Sailor Uranus und Sailor Neptun machte man unter anderem eine enge Freundschaft oder zwei Cousinen. Sailor Uranus wird zudem im normalen Alltag manchmal mit einem Mann verwechselt. Bei den Fans stößt die Beziehung zwischen Uranus und Neptun eher auf Akzeptanz.

Schließlich sind die Charaktere und das Prinzip der Planeten selbst ein Highlight der Geschichte. Bei den Protagonisten handelt es sich sowohl um Mädchen, die mit beiden Beinen in der Realität stehen als auch um Außenseiter. Ein paar der Bösewichte fallen von ihrem Glauben ab, sie trauern oder finden Gefallen am normalen Leben. Manche Figuren sind schüchtern oder schämen sich für einen Teil ihrer Persönlichkeit. Makoto leidet manchmal darunter, dass sie so groß und stark ist. Amy und Hotaru (Sailor Pluto) hätten gerne mehr Freunde. Hotaru gilt angeblich sogar als Ursprung für das Prinzip „moé„. Liebenswürdige Nebencharaktere sorgen für Witz und werden gelegentlich in die Story eingeflochten. In dieser Serie werden Nebencharaktere aber wirklich als Nebencharaktere behandelt. Auch die Vergangenheit der Freunde stellt sich als wichtig heraus, auch wenn dieser Aspekt pseudotiefgründig daherkommt.

Jeder Kriegerin wird ein Planet zugeordnet. Auch wenn innerhalb der Handlung weniger von Sternzeichen gesprochen wird als in Merchandisingartikeln, sind die Sternzeichen ein bisschen mit den Persönlichkeiten der Mädchen verbunden. Bunny ist beispielsweise Krebs (Planet: Mond) und sehr emotional. Rei (Planet: Mars) ist temperamentvoll und hat das Element Feuer. Minako (Planet: Venus) ist elegant und träumt von der großen Liebe.

Künstlerische Machart

Sailor Moon Kriegerinnen Merkur Mars Jupiter Venus Zeichenstil im Manga, v.l.n.r.: Jupiter, Merkur, Mond, Venus, Mars | © Minako20 auf last.fm

„Sailor Moon“ besitzt feminine Zeichnungen, darunter auch die charakteristisch runden Köpfe (v.a. im Anime) und langen Beine. Die jugendlichen Hauptfiguren wirken damit im Gesicht sehr kindlich, insgesamt aber doch fraulich. Auch die anderen Outfits sind einerseits jugendlich (Schuluniform, dezenter Schmuck), andererseits sehr erwachsen und mondän (Kampfoutfits der Frauen, Anzüge für die Männer). Die Figuren wirken erstaunlich individuell gezeichnet. Darüber hinaus achtet Takeuchi auf Abwechslung in der Kleiderwahl, um den Alltag realistischer darzustellen.

Legendär sind die Matrosenoutfits der Mädchen. Zum einen tragen sie im Großteil der Episoden japanische Schuluniformen, traditionell im Matrosenstil. Zum anderen sind auch die Kampfoutfits in diesem Stil gehalten. Jede Kriegerin trägt eine eigene Farbe und unterschiedliche Schuhe. Die Röcke reichen bis kurz über die Hüfte. Zudem tragen sie Hals- und Stirnbänder und lange Handschuhe. Die Schleifen auf der Brust spielen bei der Verwandlung eine wichtige Rolle. Der Witz an den Verwandlungen ist, dass die Krieger und Bösen niemals maskiert sind (Ausnahme: Tuxedo Mask), sich aber gegenseitig nicht erkennen können.

Von einigen Kritikern wird der Zeichenstil im Manga als zu geschwungen und verspielt wahrgenommen. Eigentlich typisch für das Shoujo-Genre. Die Bösewichte weichen vom Design nur gering ab. Im Anime werden die Unterschiede durch die unterschiedlichen Augen- und Hautfarben deutlicher. Sie tragen oft auffälligen Schmuck und extravagante Kleidung. Insgesamt wirken aber alle Figuren durchgehend attraktiv. Es gibt viel Variation im Aussehen der Charaktere, aber wenig in der Attraktivität.

   Sailor Jupiter Donnerschlag  Sailor Merkur Computer      Sailor Uranus Schwertkampf  Sailor Moon Schleife Mondkristall
Kämpfe (v.l.n.r.): Der Donnerschlag von Sailor Jupiter, Sailor Merkur berechnet mit einem Computer günstige Angriffspunkte, Sailor Uranus nutzt ihr Schwert im Nahkampf und Sailor Moon wechselt in schweren Kämpfen in den Zustand der absoluten Power.

Die Episoden im Anime sind sehr lebendig gestaltet. Die deutsche Synchronisation baut auf kraftvolle Stimmen. Es gibt abwechslungsreiche musikalische Untermalung und realistische Straßenszenen. Manchmal ändert sich der Handlungsort. Aus dem Manga werden Symbole in den Anime übertragen, z.B. Tropfen am Kopf oder sogar Sprechblasen.

Die Kämpfe sind weniger interessant, da sie immer nach demselben Schema ablaufen und manchmal durch Nebensächlichkeiten ausgedehnt werden. Viele der Kämpfe (und allgemein die Episoden) wirken durch Blau- und Grüntöne als würden sie nachts spielen. Gegner werden getötet, die Gewalt funktioniert aber ohne Blut oder ausgedehnte Quälerei. Meist verfallen die Gegner zu Staub oder zerbrechen. Interessant ist der Sentai-Aspekt, bei dem wie bei den „Power Rangers“ (USA), das Bild in mehrere Bilder aufgesplittet wird. Außerdem besitzen auch die Sailorkriegerinnen jeweils eigene Kampfposen.

Manga Sailor Moon Sailor V Manga: Sailor V enthüllt ihre Identität | © Stephanie Brown auf Wikia

Meinung und Fazit: Die Umsetzung erfüllt die Erwartungen einer Majokko-Geschichte und geht humormäßig wahrscheinlich noch darüber hinaus. Es ist eine dieser „ollen Kamellen“, für die man sich nicht einmal mehr schämt. Es ist Trash, aber ich kann darüber lachen und kriege nicht genug davon. Die Serie ist für Kinder geeignet, greift aber verstärkt auch auf weibliche Klischees zurück. Es steckt doch ein bisschen „Prinzesschen“ darin. Dennoch kenne ich viele Jungs, die die Serie mögen. Die psychoanalytischen und moralischen Fragen, die sich in den Jahren ansammelten, kann ich wenig nachvollziehen. Die Sexualität dreht sich primär um emotionale Verbundenheit, es wurde keine Hexe aus mir und die Mädchen haben durchaus Persönlichkeit. Nachteil bleibt definitiv der immer gleiche Ablauf der Folgen und die Länge der Verwandlungssequenzen in jeder Folge.

Für wen? (bzgl. Anime) Wenn du auf Sendungen mit guter Laune stehst oder eine Serie suchst, bei der du wenig verpassen kannst.

Manga oder Anime? Leider kenne ich den Manga nicht, würde aber trotzdem die Animeserie bevorzugen. Die deutsche Synchronisation ist relativ gut umgesetzt und dem Zeichenstil tun Farben und Rundungen gut. Der Manga ist für diejenigen, die die komplette Geschichte interessiert und mehr über die Figuren erfahren möchten.

Nachholen kann man die Folgen seit dem 17.02.14 ab Staffel 1 auf VIVA. Wer neugierig auf die neue Version der Serie („Sailor Moon Crystal“) ist, kann z.B. auf Nico Nico Douga die ersten Folgen mit deutschen Untertiteln sehen.

Otaku Stoff Zwei Mangaka mit Ruf
Naoko Takeuchi ist mit dem Mangaka Yoshihiro Togashi verheiratet, dem Autoren der berühmten Manga „Hunter x Hunter“ und „YuYu Hakusho“. Also drei Bestseller aus ein und demselben Haus!
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6 Gedanken zu “Sailor Moon (’92-’97) – Das etwas andere „Power Rangers für Mädchen“

  1. Wenn es um den Manga geht kann ich aushelfen. Habe sowohl die 18 Bände der Erstveröffentlichung die bereits vergriffen sind, als auch die Neuauflage mit neuer Übersetzung.

    • Holy Moly, da hast du aber eine ordentliche Sammlung zusammen! Ich bin gespannt, wie sich der Wert der Manga entwickeln wird. Auf den Börsen kann man gerade wieder viel „Sailor Moon“ kaufen. Für deine Bände könntest du später mal eine Menge Geld bekommen. Achte gut darauf! ;)

      Die Übersetzung ist, vermute ich mal, am interessantesten. Ich frage mich, wie viel man in die deutsche Animeserie übernommen hat. Gibt es denn zwischen der Erst- und der Neuauflage große Unterschiede?

      • Was den finanziellen Wert betrifft, so ist mir der eigentlich egal. Inwiefern die Neuübersetzung von der „alten“ abweicht kann ich noch nicht wirklich sagen, da ich die neuen Bände (inkl. Sailor V, wie die alten auch) zwar komplett hier stehen habe. Aber leider noch nicht gelesen. Wird aber nachgeholt und inklusive Vergleichsreview auf dem Blog veröffentlicht.

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