Notizen zum Petitionsstreit (BaWü; Sexualität)

Online-Demokratie mit unsachlichen Argumenten

Auch in Baden-Württemberg werden die Schulen reformiert. Bei den Ankündigungen zur anstehenden „Bildungsplanreform 2015“ entstand Widerstand in Form einer Petition und anschließenden Gegenpetition. – Worum geht’s? Zukünftig soll an den Schulen in BaWü unter anderem mehr auf die Existenz sexueller Vielfalt und Diskriminierung eingegangen werden. Dieses Thema gehört nicht einmal zu den fünf Leitlinien der Reform, wird in der Öffentlichkeit aber hervorgehoben wie kein zweites. Mittlerweile hat das zuständige Ministerium sogar eine Stellungnahme zur Debatte veröffentlicht. Dies sind die beiden Petitionen:

Während die einen eine „Regenbogen-Ideologie“ und Herrschaft der Homosexuellen zu wittern glauben, sprechen die anderen von persönlichen Erfahrungen und „brauner Soße“ in den Köpfen der Schwaben. Die Diskussionen klingen allerdings danach als hätten sich niemand mit der Reform auseinander gesetzt. Na ja, eigentlich ging es ursprünglich nur um dieses Arbeitspapier (18.11.2013) hier.

Ein paar Notizen zur Debatte:

  • Es geht in der Reform nicht um Schwule!
  • Stattdessen um Diskriminierung allgemein
  • Und um mehr sexuelle und geschlechtliche Orientierungen als Mann/Frau und homo/hetero

→ Hetero-, Homo-, Bi-, Trans-, Inter-, A-, Pansexualität und vieles weiteres („queer“)
→ In der Natur existieren mehr als zwei biologische/ körperliche Geschlechter: Mann +  Frau + Hermaphroditen

  • Die fünf Leitlinien der Reform sind: 1. Bildung für nachhaltige Entwicklung, 2. Medienbildung, 3. Verbraucherbildung, 4. Prävention und Gesundheitsförderung, 5. Berufliche Orientierung
  • Der Aspekt Sexualität wird in der Diskussion oft mit Sexualunterricht gleichgesetzt
  • Sexualität auf Penetration zu reduzieren, ließe viele Fragen offen. Wie erklärt man sonst Figuren wie Falbala („Asterix & Obelix“)?
  • Statistisch gesehen ist alles außerhalb der Heterosexualität nicht „normal“
  • Trotzdem kommt es ja in der Natur vor und ist buchstäblich „natürlich“
  • Man selbst ist nicht das statistische Maß aller Dinge

→ nur weil ich „gut geratene“ Homosexuelle oder „unterdrückte“ Gläubige in meinem Bekanntenkreis habe, kann ich noch lange nicht über die gesamte Bevölkerung urteilen
→ was ich auf der Straße sehe, kann anders sein als was ich auf der Straße nicht erkenne

  • Homosexualität wird gerne mit Pädophilie oder AIDS verwechselt
  • Nicht-Gläubige unterschätzen häufig, wie es sich anfühlt, gläubig zu sein

→ wer an das „Wort Gottes“ glaubt, hat in seiner Welt natürlich recht!
→ für den Gläubigen zählt das göttliche Prinzip mehr als das von Menschen, denn Gott ist ja unfehlbar und hat seine Pläne vor Jahren klar gemacht
→ die Glaube schwindet in der Moderne und man will wegen anderen nicht bestraft werden

  • Die Entwicklung von Kindern kann nicht zu 100% vorhergesagt werden, auch Studien „beweisen“ noch nichts. Befürchtungen bringen hier gar nichts.
  • Die Empfindungen eines anderen können wir nicht selbst wahrnehmen, nur erahnen. So ist es auch bei der Ausgrenzung.
  • Man kann auch gegen Intolerante intolerant sein, es gibt kein Gut und Böse

→ Jede Minderheit kämpft mit Ausgrenzung gegen eine Mehrheit
→ Geschmäcker sind verschieden und lösen manchmal Unbehagen aus

  • Würde Aufklärung reine Elternsache bleiben, wären viele Kinder im Nachteil
  • Homophobie und andere Formen der Befremdlichkeit existieren auch unter den Schülern und Lehrern, selbst an Gymnasien.
  • Über Sexualität zu sprechen ist keine Ideologie/ kein „Umerziehungsprogramm“

→ Gespräche, Therapien oder Medien machen Menschen nicht hetero oder homo, denn Sexualität ist primär angeboren und keine Überzeugungssache
→ Anders ist es mit der ausgelebten Sexualität (z.B. Geschlechtsverkehr, -partner, -verhalten, etc.), die von der Umwelt mitbeeinflusst wird
→ In Schulen wird Wissen anhand von Fakten unterrichtet und gemeinsam über Meinungen diskutiert

  • Die Mehrheit der Bevölkerung ist vorwiegend heterosexuell und so auch die Eltern von Homosexuellen
  • Bildungspläne müssen sich modernersieren lassen, um die Schüler auf das Leben vorzubereiten

→ dazu gehören auch neue Perspektiven zu Gesellschaft, Politik, Ethik, etc., bei denen immer in die Erziehung von Eltern hinein geredet wird
→ Schüler sollen lernen, eine eigene Meinung zu bilden, was mehr oder weniger funktioniert

  • In jeder Generation existiert der Satz: „Die Jugend von heute ist schlimmer als früher“

Beide Petitionen laufen noch wenige Tage. Man kann sich auf unterschiedliche Weise auf der Webseite beteiligen. Viel Spaß!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s