typische Convention, Verkäufer, Markt

Über Manga-Conventions: Angebote (Teil 1)

Den Leuten wird in Berlin einiges zu Manga und Anime geboten (s. Links am Blogseitenende). In der Hauptstadt existiert eine hohe Künstlerdichte, es gibt sehr viele Comicläden und auch einige Treffpunkte für Manga- und Animefans. Seit Beginn der ersten großen Berliner Manga-Conventions (ca. 2002 mit der Mega Manga Con, kurz „MMC“) hat sich viel getan. Das Cosplayen ist fast schon zur guten Tugend geworden und findet auch auf der normalen Straße statt. Es haben sich mangabezogene Theater- und Filmgruppen gegründet, die regelmäßig auf den Conventions auftreten. Auch einige manga- und asienbezogene Vereine und Freizeittreffs sind dazu gekommen. Auf den Conventions selbst treibt sich auch ein größeres und vielseitigeres Publikum herum.

Mit Blick auf die nächste Manga-Convention, der MMC Berlin (Oktober), möchte ich Besuchern einige Tipps zum „Überleben“ auf einer Con geben. (Alle wichtigen Links findest du unten.)

Wozu das ganze?
Eine Convention ist vergleichbar mit einer Fan- oder Konsummesse wie man sie von der „Internationalen Funkausstellung“ (IFA), der „Grünen Woche“ oder mittlerweile sogar von der „gamescom“ kennt. Es ist ein Treffen zwischen Gleichgesinnten, Händlern, Künstlern und was sonst noch hineingehört. Jeder verfolgt natürlich seine eigenen Ziele.

Die „Gleichgesinnten“ einer Manga-Con sind v.a. die Fans, die lange Stunden der Anreise, des Kostüm Nähens oder Auftritt Probens auf sich nehmen, um ein paar Stunden miteinander verbringen zu können. Wenn ich von „Stunden“ rede, kann das unter Umständen stark untertrieben sein. Die soziale Funktion sollte damit deutlich werden. Auch der Faktor Identität spielt natürlich eine Rolle. Ein Mensch, der bestimmte Dinge mag, wird diesen Dingen nur zu gerne nachgehen und sich immer wieder neue Ziele setzen. So ist es auf den Manga-Conventions für den Veranstalter Gang und Gebe, Workshops zum Thema Zeichnen anzubieten.
Ich habe schon so einige dieser Workshops mitgemacht und sehe dabei vor allem Anfänger, die die günstige Stunde nutzen und sich (i.d.R. kostenlos, vom Eintritt abgesehen) eine Stunde lang professionell zum Zeichnen anleiten lassen. Wer sonst zu Frust neigt, hat damit die Gelegenheit, ganz fundamental zu beginnen. Am Ende folgt auch meist die obligatorische Frage der Kursleiter: „Wollt ihr Kontakt halten?“. So bekommt man die Möglichkeit, in der Gemeinschaft weiterzulernen. Auf einer Manga-Con wird die Frage aber auch gerne so gestellt: „Seid ihr auf Animexx?“. Animexx ist Deutschlands größte Internetplattform in Sachen Manga und Asienkultur. Da sich dort fast jeder anmeldet, bietet sich das Austauschen von Profilnamen an. Neben Zeichnenworkshops gibt es auch anderes Handwerkliches oder sogar Sprachliches in Form eines Japanischkurses.

Viele Möglichkeiten, Conventionbücher und „DDR“
Die Cons laufen häufig über ein ganzes Wochenende. Die MMC Berlin bzw. die Partnerveranstaltung AniMaCo laufen immer von einem Freitagnachmittag bis Sonntagabend. Dementsprechend muss an alles gedacht werden und mit vielen Helfern gearbeitet werden.
(Dabei mal ein dickes Lob an die vielen Freiwilligen, die die Vereine jedes Mal unterstützen!)

Japanbezug ist ein Muss. Viele der nicht-mangabezogenen Angebote, z.B. das Essen oder Teile der Mode, sind streng bezogen auf Japan oder mittlerweile auch auf Korea. Man kann als Mangaleser oder Animegucker so einiges über Ostasien lernen. Auf einer Manga-Con werden aber wahrscheinlich die meisten damit zum ersten Mal im echten Leben konfrontiert. Wenn beispielsweise überall erzählt wird, es wäre in Ordnung, die Nudeln zu schlürfen und man später am Großen Nudelschlürfwettbewerb teilnimmt. So ist es aber dennoch ein Unding, wenn man im Essbereich plötzlich vor echten Japanern sitzt. Dann steigt einem die Schamesröte ins Gesicht und man versucht, „professionell“ aussehende Esser zu imitieren. Oder wenn japanische Workshopteilnehmer ihre Zeichnungen recht altmodisch zeichnen, ohne große Kulleraugen und Wallemähnen. Erst dann sieht man, dass das Übertreiben im Manga in Japan eventuell ganz anders aufgenommen wird.

024jcon2012
Zeichnen und abwarten. Eine Gruppe von Cosplayern zeichnet in ihre Con Hons (J-Con, Merzig in Deutschland). Geduld ist gefragt.

Desweiteren kann man zum ersten Mal die Menschen hinter den Manga und Animes sehen. Die sogenannten Ehrengäste, die z.B. als Mangakünstler (Mangaka), Sänger oder Synchronsprecher berühmt geworden sind. Wann hat man als deutscher Fan schon einmal die Möglichkeit eine berühmte japanische Band live aus nächster Nähe zu sehen? Für viele geht damit ein Traum in Erfüllung. An sich kosten die Gäste sicherlich einiges. Weswegen einem die Namen der Ehrengäste zumindest auf den kleinen Veranstaltungen eher nicht so viel sagen. Die Stars der Szene treten dennoch auf manchen internationalen Conventions, so auch in Deutschland, auf. Dann gibt es Autogramme, Gesprächsrunden und vielleicht sogar einen Workshop oder Vortrag. Nicht zu verachten ist aber auch die lokale Künstlerszene, mit der man sich ganz persönlich austauschen kann. Man darf bei einem Künstler sogar sein persönliches „Con Hon“ (jap. Conventionbuch, Buch für eine Convention) abgeben, ein leeres Notizheft zum Hineinmalen. Man gibt das Heft bzw. Buch einer anderen Person, um diese dort hineinzeichnen oder -schreiben zu lassen. Es ist im Prinzip wie ein Poesiealbum.

Am tollsten finde ich immer die günstigen Produkte. Es ist, wie gesagt, im Grunde eine Konsummesse. Mit allen Vor- und Nachteilen. Die langen Händlermeilen bieten u.U. die gleichen Sachen an. Aber aus irgendeinem Grund fehlt einem ab Mitte der Meile das Geld. Obwohl man ja erstmal bis zum Ende hätte warten können! Eine Lektion, die die minderjährigen Teilnehmer früh verinnerlichen müssen. Denn dort gibt schon einmal 100€ Taschengeld, was für einen Tag reichen muss. Weiter muss zu Hause natürlich auch Platz für den ganzen Kram sein. Als Sammler von Karten hat man es einfach. Bei Figuren und Büchern wird es schwerer.
Nun gut, als Kind der unteren Einkommensfamilien blieben mir große Einkäufe immer erspart. Ich hätte auch kaum Platz dafür. Jedoch habe ich gerne Rabattpreise, Versteigerungen, Bring&Buy-Waren (Second Hand-Ware) und Gewinnspielpreise mitgenommen. So etwas gibt es eher auf den Conventions als in den normalen Läden. Und auf Ebay gibt es manchmal Mitkonkurrenten. Letztenendes kann es auch ein Vorteil sein, die Ware erstmal in den Händen zu halten, bevor man sie kauft. Auf manchen Cons gibt es sogar Leseecken mit ausleihbaren Manga und Comics. Die MMC und die AniMaCo bieten das leider aber schon lange nicht mehr an. Ich schätze mal Diebe und Schmutzfinken haben es versaut…

Die Spieleindustrie ist natürlich auch nie weit. Es gibt „Games Rooms“ zum Spielen von japanischen Brettspielen wie Go oder Shogi oder von Videospielen verschiedener Genres für eine, zwei oder mehrere Personen. Ein alter Manga-Con-Klassiker ist dabei das Videospiel Dance Dance Revolution (kurz „DDR“). Quasi das Tanzspiel für diejenigen, die sonst nicht tanzen können. Häufig wird es auch als Turnier angeboten. Aber auch Sing Star ist ein beliebtes und gleichzeitig etwas schräges Karaokespiel mit mehr Körpereinsatz, dem man dort nachgehen kann. Neben Brett- und Videospielen sind auch Kartenspiele, u.a. von Yu Gi Oh! Teil der Conkultur geworden. Viele Spiele kann man gelassen für sich spielen. Wer Action braucht, nimmt an Turnieren teil.

Zwei extreme DDR-Beispiele

Mehr Infos:

MMC (Mega Manga Convention, seit 2002)
Berlin, Fontanehaus (Märkisches Viertel)
2013: 4.-6. Oktober
http://mmc.mmc-berlin.com/news.php

AniMaCo (Anime- und Manga-Convention, seit 2004)
Berlin, Fontanehaus (Märkisches Viertel)
2014: 24.-26. Oktober
https://www.animaco.de/

Wikipediaartikel zum Thema Anime-Conventions
http://de.wikipedia.org/wiki/Anime-Convention

Animexx e.V.
http://animexx.onlinewelten.com/verein.phtml
Das Internetportal: http://animexx.onlinewelten.com/

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2 Gedanken zu “Über Manga-Conventions: Angebote (Teil 1)

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