Black Books (Fran, Bernard, Manny)

Wie man gesellschaftliche Phänomene gut darstellt… (in Serien)

Zwischenfrage: Wie setzt man eine Geschichte ohne ewige Details und schlechte Schauspielerei um?

Zur Anregung empfehle ich die britische Comedy-Serie „Black Books“!


Fran, Bernard und Manny [Black Books, Großbritannien (Channel 4, 2000-2004)] | © Channel 4

Der englische Humor hat schon etwas. Diese Serie übertraf jedoch meine Erwartungen um einiges, obwohl ich sie nicht einmal so witzig finde wie andere Serien. Was macht diese Serie so besonders? Sie kann Botschaften auf eine geniale Art herüberbringen!

„Black Books“ ist verhältnismäßig kurz (6×3 Folgen). Eine Folge dauert um die 25 Minuten. Das heißt zum einen, dass nicht viele Charaktere in ihr Platz finden, im Gegensatz zu den Soaps. In „Black Books“ existieren lediglich drei Protagonisten. Die liegen allesamt auf der oberen Skala der „Verrücktheit“, bleiben dennoch sehr individuell. In kurzen Serien ist es außerdem schwierig, lange Vorgeschichten in die normale Handlung zu integrieren. Alles muss beiläufig angedeutet werden.

Gekürzte Botschaften gekonnt darstellen. Der größere Akt ist jedoch, ohne viele Bilder und Worte über gesellschaftliche Phänomene zu „reden“. Gesellschaftliche Phänomene wie Eifersucht, Arbeitslosigkeit, Familientragödien, etc. Zu jedem Phänomen gehört auch irgendwie eine Aussage. „Black Books“ schafft es, diese Aussagen über ein Mini-Theater herüberzubringen.

Die Situationen und Reaktionen der Charaktere sind abstrakt, absurd und abgekürzt. Die Beispiele unten spielen sich alle in einer Folge ab und das manchmal für wenige Sekunden! Denn viel muss man nicht dazu sagen. Zum Beispiel zum Besuch der Eltern. Man hat sie lange nicht gesehen. Was tut man da? Was sagt man da? Wie viele stellen sich dann nicht hin und fangen plötzlich mit dem Putzen an? In einer Szene schnappt sich Manny alles zum Wischen, was er kriegen kann und wendet es auf eine komische Art gleichzeitig an. In einer späteren Szene soll er seine Eltern los werden und sagt, er sei zu „beschäftigt“. Die Eltern gehen, erzählen aber davon, wie sie sich in seiner Kindheit für ihn aufgeopfert haben und machen ihm erfolgreich ein schlechtes Gewissen. Auch etwas, was mir bekannt vorkommt.

Oder das Beispiel vom modernen Buchladen. Manny hat ein Ziel, hält kurz (gezeigt werden etwa 5 Sekunden) in einem großen Buchladen à la Thalia oder Dussmann an und kommt mit zwei Tüten und einer riesigen Portion Essen wieder heraus. Einfach, weil es darin so schön war. Ein Phänomen, welches im Alltag beobachtet werden kann. Nicht nur kaufen die Leute viel zu oft ohne vernünftigen Grund. Die Läden verbinden so viele Dienstleistungen in einem, dass man sich überall wie in einem Supermarkt fühlt. Später in der Folge kopiert er das Konzept für den eigenen kleinen Buchladen Black Books, nach dem die Serie benannt ist, selbst wenn dieser überhaupt nicht den Platz dafür hat. Hauptsache Infostand, Sofa und Kaffeemaschine sind drin!

Ein wundervolles Beispiel möchte ich hier näher vorstellen. Wer kennt nicht das Gefühl, im neuen Job oder Praktikum anfangs nicht zurechtzukommen? Fran bekommt einen Job in einem Büro. Im Vorstellungsgespräch wird sie aber über nichts informiert. Der Chef zeigt kaum Interesse für sie oder ihren Status als Anfängerin und lässt sie einfach sofort an den Arbeitsplatz. Gezeigt wird der Alltag im Großraumbüro. Die Kollegen bieten ihr auch keine Hilfe. Zu sehen sind viele Statisten, vorgestellt werden ledigleich drei: Wanker (etwa: der Perverse), Fatty (die Dicke) und Spotty (das schüchterne Pickelgesicht). So abwertend das ganze auch herüberkommt, denke ich mir trotzdem insgeheim: „Da ist etwas dran.“. Diese Figuren, eher Typen, drücken ein Unbehagen aus, welches die Atmosphäre des Großraumbüros gut einfängt. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt bzw. dem Arbeiten am Computer beschäftigt. Der Chef brüllt ins Handy, will Leute feuern. Fran hat keine Ahnung, was sie eigentlich tun soll. Es folgt eine fantastische Szene, in der sie wild auf der Tastatur herumtippt. Heraus kommt ein kurzes Gedicht darüber, dass sie nicht weiß, was sie an diesem Ort tut. Und wie üblich kriegt es niemand auf der Arbeitsstelle mit.

Es kommt zu einem Meeting, das sie leiten soll. Zu sehen ist ein kurzer Vortrag über den Job. Dafür, dass sie keine Ahnung hat, sich aber in den Angelegenheiten des Chefs einmischt, wird sie belohnt. Sie soll Teams leiten, entwickelt sich in kurzen Einblendungen zu einem „Bully“ (jmd., der andere schikaniert) und sorgt nach einer kurzen Phase des Auftriebs dafür, dass sie am Ende gefeuert wird.

Die Szene mit dem Meeting. Die Worte sind nebensächlich. Aufs Flip-Chart zeichnet sie, wie häufig in der Branche verwendet, Symbole zur Erläuterung eines Vorhabens. Es erinnert an Wachstum und Männlichkeit. Die Symbolsprache bringt vieles über den Arbeitsstil und Ethik der freien Wirtschaft auf den Punkt.

Es gibt viele kleine absurde, surreale Szenen, mit denen die Serie arbeitet. Nun schreit der eine oder andere vielleicht, das ganze funktioniere nur mit Comedy. Ich möchte das ganze aber anzweifeln. Was meint ihr? Ist die kurze Darstellung ein Mittel, das nur in Comedy funktioniert? Kennt ihr andere Serien, in denen es auch funktioniert? Bevorzugt ihr lieber Serien, in denen sich alles langsam entwickelt und man als Zuschauer besser nachvollziehen kann oder dauert euch das zu lang?

Fan der Serie
a|fiction|esse

Mehr Infos:
Wikipedia-Artikel zu „Black Books“
http://de.wikipedia.org/wiki/Black_Books„Black Books“ auf der offiziellen Programmseite
(inkl. Clips aus allen Folgen)
http://www.channel4.com/programmes/black-books

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